Zum Hauptinhalt springen

Nächstes Jahr zahlt die Krankenkasse wieder für Homöopathie

Neue Spitalfinanzierung, keine Velovignette mehr: Am 1. Januar treten Hunderte neuer Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen in Kraft. Ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen.

Die Krankenkasse kommt wieder für Behandlungen mit Homöopathie auf: Globuli aus der Flasche.
Die Krankenkasse kommt wieder für Behandlungen mit Homöopathie auf: Globuli aus der Flasche.
Keystone

Das Gros der Neuerungen hat wenig Auswirkungen auf den Alltag der meisten Menschen. Die gewichtigsten Änderungen – auch finanziell – betreffen die Sozialversicherungen.

Gemäss den Zahlen des Bundesamts für Gesundheit steigen die Krankenkassenprämien auch im neuen Jahr. Obwohl der Aufschlag für Erwachsene mit durchschnittlich 2,2 Prozent moderater ausfällt als auch schon – es ist der zweittiefste Wert seit Einführung des Krankenkassenobligatoriums im Jahr 1996 –, bringt das für das Gros der Versicherten Mehrausgaben von mehreren Hundert Franken. Mit 4,4 Prozent besonders stark ist der Prämienanstieg bei den 19- bis 25-Jährigen.

Auswirkungen der Spitalfinanzierung unklar

Für eine leichte finanzielle Entlastung dürfte der Entscheid sorgen, Behandlungen mit alternativen Heilmethoden provisorisch wieder über die Grundversicherung zu finanzieren. Die Rechnungen für Behandlungen mit Homöopathie, Neural- und Phytotherapie, anthroposophischer oder traditioneller chinesischer Medizin bezahlt nun wieder die Krankenkasse – sofern sie von einem Arzt mit schulmedizinischer Ausbildung vorgenommen werden. Wer solche Behandlungen über eine Zusatzversicherung abdecken liess, kann nun wieder auf eine solche Versicherung verzichten.

Noch unbekannt sind die finanziellen Auswirkungen des wichtigsten gesundheitspolitischen Reformvorhabens, welches 2012 seine Wirkungen zu entfalten beginnt – der neuen Spitalfinanzierung. Sie bringt für die Patienten die freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz.

Neuer Mindestzinssatz

Erst im Pensionsalter aufs Portemonnaie auswirken wird sich der neue Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge. Angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten und des allgemeinen Zinstiefs beschloss der Bundesrat, den Mindestzins auf Anfang Jahr von 2 auf 1,5 Prozent zu senken. Die Pensionskassen müssen damit auf dem bereits angehäuften Alterskapital so wenig Zinserträge erwirtschaften wie noch nie seit Einführung des BVG-Obligatoriums.

In der zweiten Säule kommt es auch wegen des Umwandlungssatzes zu Änderungen. Männer, die im kommenden Jahr in Rente gehen, erhalten nun noch eine Jahresrente von 6,9 Prozent ihres Altersguthabens (bisher 6,95). Bei Frauen sinkt der Satz von 6,9 auf 6,85 Prozent.

Unter finanziellen Druck dürften im neuen Jahr zahlreiche IV-Rentner geraten. Ziel der ersten Etappe der 6. IV-Revision ist es, 12'000 IV-Rentner wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu sollen alle Renten überprüft werden, insbesondere solche die auf nicht erklärbare Leiden zurückzuführen sind, etwa die Folgen eines Schleudertraumas.

Ende der Velovignette

Das neue Jahr bringt jedoch nicht nur höhere Prämien und Gebühren oder schlechtere Leistungen. Bundesrat und Parlament trafen auch Massnahmen, um das Portemonnaie der Bevölkerung zu schonen. So wird etwa die kalte Progression ausgeglichen, indem die Abzüge erhöht wurden, die bei der Berechnung der direkten Bundessteuer berücksichtigt werden.

Rund 5 Franken weniger ausgeben müssen nächstes Jahr die Velofahrerinnen und Velofahrer: Die Velovignette wird abgeschafft. Nichts mehr bezahlen müssen Autofahrer, wenn sie ihre alte Autobatterie entsorgen wollen. Denn künftig ist diese Gebühr bereits im Kaufpreis enthalten.

Ansonsten drohen im Verkehr vor allem höhere Strafen: So muss künftig 200 statt nur 100 Franken Busse bezahlen, wer ohne Autobahnvignette eine Nationalstrasse befährt. Und wer nie einen Führerausweis erwarb und trotzdem Auto fährt, soll künftig ebenso eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren riskieren, gleich wie ein Autofahrer, der trotz Ausweisentzug am Steuer sitzt.

Gelockerte Bunkerpflicht

Entlastet werden vor allem Bauherren und KMU. Durch die Lockerung der Schutzraumpflicht müssen nur noch in grösseren Überbauungen ab 38 Zimmern Bunker erstellt werden. Bislang galt die Schutzraumpflicht bereits ab acht Zimmern.

Wer ein kleineres Haus baut und keinen Schutzraum erstellen will, muss nach wie vor eine Ersatzabgabe bezahlen. Sie wurde aber gesenkt: Pro Schutzplatz kostet die Abgabe neu 400 bis 800 Franken statt wie bisher rund 1500 Franken.

Von tieferen Kosten profitieren auch all jene, die ihre Geschäfte mit Schuldbriefen unterlegen. Dank der Einführung des papierlosen Schuldbriefs entfallen nämlich die Kosten für die Ausfertigung auf Papier, die sichere Aufbewahrung sowie für die Übermittlung des Wertpapiers zwischen Grundbuchamt, Notariat und Bank.

Einige Tausend Franken sparen können zahlreiche KMU auch dank neuen Regeln für die Revisionspflicht. Eine ordentliche Revision müssen nur noch Gesellschaften erstellen, wenn sie in zwei aufeinander folgenden Jahren zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Franken, einen Umsatz von mindestens 40 Millionen und 250 oder mehr Vollzeitstellen.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch