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Nationalrat schlägt sich auf die Seite der Apotheker

Niederlage für die Ärzte: Der Nationalrat erlaubt es den Apothekern, gewisse Medikamente ohne Rezept zu verkaufen. Einige Heilmittel sollen künftig sogar im Detailhandel erhältlich sein.

Nationalrat ist auf seiner Seite: Lorenz Schmid, Apotheker in der Toppharm Apotheke Paradeplatz, Zürich.
Nationalrat ist auf seiner Seite: Lorenz Schmid, Apotheker in der Toppharm Apotheke Paradeplatz, Zürich.
Sophie Stieger

Apotheker sollen künftig gewisse verschreibungspflichtige Arzneimittel in eigener Kompetenz abgeben dürfen. Das hat der Nationalrat entschieden.

Bisher war dies nur in Ausnahmefällen möglich, in der Regel musste zuerst ein Arzt ein Rezept ausstellen. Der Ärzteverband FMH wehrt sich denn auch gegen die rezeptfreie Abgabe von Medikamenten in der Apotheke und droht gar, das Referendum gegen die Neuregelung zu ergreifen.

Der in den letzten Wochen öffentlich ausgetragene Streit zwischen Ärzteschaft und Apothekern hat sich im Nationalrat jedoch nicht wiederholt: Der entsprechende Vorschlag der Kommission blieb unbestritten. Die Ausbildung der Apotheker rechtfertige es, diesen mehr Kompetenzen zu gehen als heute, sagte Kommissionssprecher Jean-François Steiert (SP, FR).

Der Bundesrat wollte bei der geltenden Regelung bleiben, wonach Apothekerinnen und Apotheker verschreibungspflichtige Medikamente nur in Ausnahmefällen ohne Rezept herausgeben dürfen. Nach dem Willen des Nationalrats kommt ihm nun die Aufgabe zu, zu definieren, welche Medikamente Apotheker in Eigenregie abgeben dürfen.

Rezeptpflicht für Ärzte

Marktanteile dürfte die Ärzteschaft auch die neue Rezeptpflicht kosten: Ärzte müssen künftig in jedem Fall ein Rezept ausstellen, auch dann, wenn das Medikament vom Arzt direkt in der Praxis abgegeben wird.

Damit sollen Patientinnen und Patienten die Wahl bekommen, ob sie das Medikament beim Arzt oder beim Apotheker beziehen wollen. Nach Schätzungen des Ärzteverbands FMH kostet das Ausstellen der Rezepte zusätzlich 100 bis 150 Millionen Franken pro Jahr.

Auch unnötige Konsultationen verursachten Kosten, sagte Margrit Kessler (GLP, SG), die sich für die umfassende Rezeptpflicht einsetzte. Bruno Pezatti (FDP, ZG) dagegen kritisierte den «unnötigen Ressourcenverbrauch» und die zusätzliche Bürokratie. «Das Rezept hätte keinen weiteren Nutzen und würde wohl im Papierkorb landen.» Auch die Grüne Yvonne Gilli (Grüne, SG) sprach von einem «eigentlichen Blödsinn», den die Kommission ins Gesetz geschrieben habe.

Als Kompromiss hatte Ruth Humbel (CVP, AG) vorgeschlagen, dass Patientinnen und Patienten auf das Rezept in Papierform verzichten können. Der Nationalrat nahm schliesslich diesen Antrag mit 143 zu 40 Stimmen an.

Medikamente in Drogerien

Auch die Kompetenz von Drogerien soll ausgeweitet werden. Diskussionslos hat der Nationalrat dem Vorschlag des Bundesrats zugestimmt, dass Drogerien künftig alle nicht verschreibungspflichtigen Medikamente abgeben dürfen. Einige Heilmittel wie Tees oder Hustenpastillen sollen künftig sogar im Detailhandel erhältlich sein.

Auf Antrag der Kommission und mit Zustimmung des Bundesrats will der Nationalrat auch den Versandhandel mit Medikamenten strenger regeln. Arzneimittel auf Bestellung zu verkaufen, ist heute nur dann möglich, wenn ein Rezept vorliegt, auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente.

Dass die Versandhandlung das Rezept für die Patienten gleich selber besorgt, wie dies heute gemacht wird, soll künftig nicht mehr möglich sein: Der Nationalrat hat die Regelung gutgeheissen, wonach ein Rezept vor der Bestellung vorliegen muss.

Eine SVP-Minderheit hatte verlangt, bei der geltenden Regelung zu bleiben. Eine Mehrheit fand jedoch einen Vorschlag von Gilli, dass das Rezept zwar vorgängig vorliegen, jedoch nicht vom Patienten oder der Patientin selbst mit der Bestellung eingereicht werden muss, gut.

SDA/bru

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