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Nationalrat will den Ritalin-Konsum eindämmen

Ritalin soll nicht als Modedroge zur Verfügung stehen: Ärzte sollen das Medikament gegen Aufmerksamkeitsstörungen nur dann abgeben dürfen, wenn zusätzliche Therapiemassnahmen ergriffen werden.

mw
Wirkt beruhigend, aber auch leistungsfördernd: Das Medikament Ritalin.
Wirkt beruhigend, aber auch leistungsfördernd: Das Medikament Ritalin.
Keystone

Der Nationalrat hat eine Motion angenommen: Der Bundesrat soll dafür sorgen, dass Ritalin nur abgegeben wird, wenn es wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist.

Den Volksvertretern in Nationalrat ist es ein Dorn im Auge, dass Ritalin missbräuchlich geschluckt wird, um die Leistung zu steigern. «Diese Modeerscheinung ist von den USA in die Schweiz geschwappt», sagte Ignazio Cassis (FDP/TI).

Deutliche Zunahme der ausgelieferten Menge

Zahlen des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic zeigen, das sich die in der Schweiz ausgelieferte Menge des Ritalin-Wirkstoffes Methylphenidat von 1999 bis 2011 fast verzehnfacht hat:

Inwiefern der Anstieg teilweise auf Missbrauch zurückzuführen ist, kann zurzeit nicht eruiert werden. Eine in der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlichte Studie kam 2011 zum Schluss, dass insgesamt eine vernünftige Verschreibungspraxis vermutet werden dürfe. Allerdings verwies die Studie auch darauf, dass teilweise auch Chirurgen Ritalin verschreiben würden, wobei «der Verdacht auf Gefälligkeitsrezepturen ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen» sei.

Einstimmiger Entscheid

Der Bundesrat soll nach Ansicht des Nationalrats nun im Rahmen der Umsetzung des Betäubungsmittelgesetzes dafür sorgen, dass Ritalin nur in einer umfassenden Behandlung verschrieben wird.

Die grosse Kammer stimmte der Motion als Erstrat mit 163 zu 10 Stimmen bei zwei Enthaltungen zu. Zudem nahm er stillschweigend ein Postulat an. Dieses beauftragt den Bundesrat, in einem Bericht aufzuzeigen, wo in Bezug auf Ritalin politischer und gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.

Ritalin: Beruhigend und leistungssteigernd

Der Bundesrat sprach sich gegen die Motion, aber für das Postulat aus. Es gebe bereits heute Regeln für Gebrauch und Missbrauch von Substanzen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Er wollte zuerst den Bericht abwarten und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Ritalin ist ein verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel. Es wird vor allem bei Kindern mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS eingesetzt. Da es kurzfristig die Müdigkeit unterdrückt und die körperliche Leistungsfähigkeit steigert, wird es auch konsumiert, um nächtelang feiern, arbeiten oder lernen zu können.

Das Postulat ist an den Bundesrat überwiesen, die Motion geht noch in den Ständerat.

(SDA)

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