Nationalratskommission bittet Ältere zur Kasse

Junge Erwachsene sollen weniger Krankenkassenprämien zahlen. Im Gegenzug müssten alle anderen höhere Beiträge leisten.

Junge sollen weniger, Ältere mehr bezahlen: Ein Arzt untersucht das Ohr einer Patientin. (Archivbild)

Junge sollen weniger, Ältere mehr bezahlen: Ein Arzt untersucht das Ohr einer Patientin. (Archivbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK) will die Krankenkassenprämien junger Erwachsener senken. Den Preis dafür würden die Älteren zahlen: Für sie sollen die Prämien im Durchschnitt um 19 Franken pro Monat steigen.

Zwei parlamentarische Initiativen hatten der SGK den Anstoss gegeben, nach Möglichkeiten zur Entlastung von Familien und jungen Erwachsenen zu suchen. Gleichzeitig sollte das komplizierte System der Prämienverbilligungen vereinfacht werden.

Die Mehrheit der Kommission möchte beim Risikoausgleich ansetzen. Es handelt sich um einen Ausgleichs-Mechanismus zwischen Krankenkassen mit vielen jungen, gesunden Versicherten und Krankenkassen, die mehr ältere, kranke und daher auch teurere Versicherte haben.

Höhere Rabatte

Heute würden junge Erwachsene durch den Risikoausgleich übermässig belastet, sagte Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/AG) heute vor den Bundeshausmedien. Dafür würden rund zwei Drittel ihrer Prämien verwendet.

Die SGK schlägt daher vor, Krankenkassen mit jungen Erwachsenen beim Risikoausgleich zu entlasten. Bei 19- bis 25-Jährigen soll die Entlastung 50 Prozent betragen. Das würde den Krankenkassen erlauben, höhere Prämienrabatte zu gewähren. Gestützt auf Zahlen von 2013 würde die Alterskategorie dadurch im Durchschnitt um 92 Franken pro Monat entlastet.

Weniger junge Erwachsene wären dadurch auf Prämienverbilligungen angewiesen. Das Geld, das dadurch frei wird, möchte die Kommission für die Subventionierung der Kinderprämien einsetzen: Die Kantone sollen verpflichtet werden, diese um mindestens 80 Prozent zu verbilligen. Heute sind es 50 Prozent.

Bröckelnde Solidarität

Die Entlastung junger Erwachsener war laut Humbel in der Kommission unbestritten. Lediglich mit dem Stichentscheid von SGK-Präsident Ignazio Cassis (FDP/TI) fällte die Kommission hingegen einen weiteren Entscheid: Auch die 26- bis 35-Jährigen sollen via Risikoausgleich entlastet werden, um 20 Prozent oder durchschnittlich 29 Franken pro Monat. Diese Bevölkerungsschicht sei stark armutsgefährdet, sagte Cassis.

Profitieren würden allerdings auch jene jungen Erwachsenen, die die Entlastung nicht nötig haben. Hinzu kommt, dass die Prämien für die ältere Generation umso stärker steigen würden. Die Kommission geht davon aus, dass über 36-Jährige 19 Franken mehr pro Monat bezahlen müssten, um die Jüngeren zu entlasten.

Es gelte weiterhin der Grundsatz der Solidarität, sagte Cassis. Die Vorschläge der Kommission erlaubten aber eine Debatte über den Ausgleich zwischen Jungen und Älteren. In der Kommission sprachen sich SP, Grüne, CVP und Grünliberale gegen die neue Alterskategorie aus. Auch im Nationalrat erwartet der SGK-Präsident «knappe Abstimmungsresultate». Darauf deutet auch die Gesamtabstimmung in der Kommission hin. Die Befürworter setzten sich mit 13 zu 11 Stimmen durch.

In der Vernehmlassung waren die Vorschläge ebenfalls schlecht angekommen. SVP und FDP wehrten sich insbesondere gegen höhere Prämienverbilligungen für Kinder. Die Idee eines separaten Risikoausgleichs für unter 18-Jährige hatte die Kommission nach Kritik in der Vernehmlassung fallen gelassen. (nag/sda)

Erstellt: 08.07.2016, 18:39 Uhr

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