NSA transparenter als die Schweiz

Ausgerechnet der amerikanische Geheimdienst bringt etwas Licht in die Geschichte der Zuger Chiffrierfirma Crypto.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die NSA war bisher nicht als ein Muster an Transparenz bekannt. Es brauchte mit Edward Snowden erst einen Whistleblower, um zu enthüllen, dass die NSA flächendeckend Daten absaugt und selbst befreundete europäische Spitzenpolitiker mit hohem Aufwand ­abhörte. Über die Schweiz wurde damals mit Ausnahme von Genf wenig bekannt – womöglich sind wir diesem Geheimdienst einfach zu wenig wichtig.

Wenn die Schweiz weltpolitisch Bedeutung hatte, dann wegen ihrer Neutralität. Das war neben der hoch entwickelten technischen Ausbildung auch der Grund, warum sich die Chiffriertechnologie mit zwei weltweit führenden Anbietern hier so gut etablieren konnte. Wem sollten die Abnehmer in diesem ­hochsensiblen Bereich vertrauen, wenn nicht der Firma ­eines neutralen, blockfreien Landes?

Die von der NSA freigegebenen Dokumente enthüllen nun, dass es mit dieser Neutralität nicht immer so weit her war. Crypto-Gründer Boris Hagelin ent­wickelte seine Geräte und Kundenbeziehungen in den Fünfzigerjahren in enger ­Absprache mit der NSA und dem britischen Ausland­sgeheimdienst GCHQ, später soll die Firma auch enge Beziehungen zum deutschen Bundesnachrichtendienst gepflegt haben. Es ist davon auszugehen, dass die Schweiz darüber informiert war.

Solche Vermutungen waren schon in den Neunzigerjahren aufgetaucht, als der Schweizer Verkaufs­ingenieur Hans Bühler im Iran unter Spionage­verdacht festgenommen worden war und dort fast ein Jahr in Haft blieb. Die Firma liess ihren nichts ahnenden Mitarbeiter nach seiner Rückkehr fallen. Die Schweizer Untersuchungsbehörden unternahmen in der Folge alles, um rasch Gras über dieses heikle ­Dossier wachsen zu lassen. Es ist jetzt an den Schweizer Parlamentariern, die Öffnung der Archiv­akten ­einzufordern, die die NSA freiwillig geschaffen hat. Die Neutralität ist zu wichtig, um einem so gra­vierenden Verdacht nicht öffentlich nachzugehen.

Erstellt: 29.07.2015, 20:09 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Firma half NSA beim Spionieren

Die Crypto AG aus Zug verkauft Chiffriergeräte an über 100 Staaten. Nun offenbaren Dokumente deren enge Beziehung zur NSA – seit 60 Jahren. Mehr...

NSA darf mehr gegen Hacker unternehmen

Digital kompakt +++ Chrome hilft Akku sparen +++ Micro-SD mit 512 GB vorgestellt +++ Yahoo speckt ab +++ Facebook bringt Lite-App +++ Mehr...

NSA-Datensammelwut war illegal

Zum ersten Mal hat ein höheres US-Gericht zur NSA-Affäre Stellung genommen: Das massive Sammeln von Telefon- und Internet-Metadaten sei nicht gesetzlich gedeckt, so das Berufungsgericht in New York. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Mamablog Mein erstes Handy

Sweet Home Gut ist gut genug!

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...