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Nun befasst sich die Justiz mit der Therme Vals

Die Bündner Regierung will Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Verkauf der Valser Therme an Investor Remo Stoffel abklären. Dazu geraten hat ihr der bekannte Korruptionsjäger Mark Pieth.

Von der Gemeinde im Jahr 2012 für 7,8 Millionen Franken verkauft: Die Therme Vals. Foto: Arno Balzarini (Keystone)
Von der Gemeinde im Jahr 2012 für 7,8 Millionen Franken verkauft: Die Therme Vals. Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Es war ein Interview im «Tages-Anzeiger» vom 4. April 2015, das den Fall ins Rollen brachte. Staatsrechtsprofessor Rainer Schweizer sagte damals, die Gemeinde Vals habe 2012 beim Verkauf ihrer Therme für 7,8 Millionen Franken an Investor Remo Stoffel grobe Fehler begangen. Schweizer kritisierte im Namen einer Gruppe Valser Bürger, dass die Gemeindeversammlung falsch informiert worden sei: Was an jenem Abend präsentiert worden sei, habe nicht durchwegs dem Kaufvertrag entsprochen, den der Gemeinderat später mit Stoffel abschloss. Schweizer bilanzierte: «Meiner Auffassung nach gehört der Verkauf der Therme Vals zu den grossen Korruptionsfällen in Schweizer Gemeinden, vergleichbar dem Fall Leukerbad.»

Korrupt sei seines Erachtens gewesen, dass «massgeblich Beteiligte mit persönlichen Interessen und unter Missachtung von Amtspflichten» den Verkauf durchgesetzt haben, ohne alle Zahlen vorzulegen. Darauf klagte Stoffel gegen Schweizer wegen falscher Anschuldigung und Ehrverletzung. Letzten Dezember einigten sich die Parteien aussergerichtlich. Schweizer hielt fest, dass seine Aussagen nur das Handeln von Amtsträgern der Gemeinde Vals und allenfalls des Kantons Graubünden betreffen – nicht aber Stoffels Vorgehen.

Pieth: «Ganz ungutes Gefühl»

Gestern nun informierte die Bündner Regierung, dass sie Schweizers Vorwürfen nachgehen wolle. Wie Regierungspräsidentin Barbara Janom Steiner (BDP) in Chur erklärte, hat der Kanton Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft abklären, ob beim Verkauf der Therme Korruption im Spiel war. Zu diesem Schritt geraten hatte der vom Kanton beigezogene Korruptionsexperte Mark Pieth. Laut Janom Steiner würden die Aussagen von Schweizer allein schon wegen dessen Status als seriös und glaubwürdig wahrgenommen. «Die Vorwürfe sind zudem geeignet, den angesprochenen Institutionen einen Reputationsschaden zuzufügen», sagte die Regierungspräsidentin. Um diese Fragen zu klären, sei die Strafanzeige eingereicht worden.

Pieth sieht insbesondere Abklärungsbedarf, was die Vorbereitung des Verkaufs betrifft. Konkret geht es um eine Absichtserklärung zwischen Stoffel und dem damaligen Therme-Verwaltungsrat. Dieser sicherte Stoffel ein exklusives Verhandlungsrecht zu und unterschrieb eine Entschädigungspflicht von einer halben Million Franken, sollte der Verkauf scheitern. Der Verwaltungsrat sei bereit gewesen, sich an Stoffel zu binden, noch bevor er dessen Angebot gekannt habe, sagte Pieth: «Man wollte die Katze im Sack kaufen.» Problematisch sei auch die Informationspolitik des Verwaltungsrats gewesen. So erhielt die ebenfalls am Kauf interessierte Interessengemeinschaft rund um Therme-Architekt Peter Zumthor keinen umfassenden Einblick in die Bücher, Stoffel jedoch schon. Pieth ortete einen «Komplex sehr problematischer Geschäftsentscheidungen», der ein «ganz ungutes Gefühl» zurücklasse. «Es sind genug Verdachtsmomente vorhanden, um genauer hinzuschauen», sagte er. Nicht eingetreten ist die Regierung schliesslich auf eine Aufsichtsbeschwerde aus dem Umfeld der unterlegenen Käufer gegen die Gemeinde Vals. Remo Stoffel liess gestern ausrichten, er begrüsse das Vorgehen der Regierung.

Gibt Stoffel die Therme ab?

In Vals befasst sich heute die Gemeindeversammlung mit der Therme. Sie befindet über deren Überführung in eine Stiftung. Dieser Rückkauf für einen symbolischen Franken ist im Kaufvertrag von 2012 vorgesehen. Die heutige Besitzerin, Stoffels 7132 AG, die auch das Hotel Therme betreibt, bliebe für Betrieb, Unterhalt und Erneuerung zuständig. Sie erhielte das Recht zur unentgeltlichen Nutzung. Stoffel werde sich nach dem Entscheid der Gemeinde äussern, sagte sein Sprecher Peter Hartmeier. Keinen Kommentar gab es auch zu Fragen zum 380 Meter hohen Hotelturm, den Stoffel in Vals bauen möchte. Wie das «Regionaljournal Graubünden» von SRF berichtete, sucht Stoffel einen neuen Standort für den Turm. Denn der bisherige Ort bei der Therme ist hydrologisch problematisch: Bereits Sondierbohrungen könnten das Valser Mineralwasser gefährden. Darum soll nun ein Bauplatz unterhalb des Dorfs ins Auge gefasst worden sein.

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