NZZ frisiert Fernsehinterview mit Auftragsmörder

Die «Neue Zürcher Zeitung» kritisierte die «Rundschau» scharf. Dabei unterliefen ihr selber Fehler.

Hatte im Auftrag Walkers auf dessen Gattin geschossen: Sindelic wird zum Rathaus in Altdorf gebracht. (Archiv)

Hatte im Auftrag Walkers auf dessen Gattin geschossen: Sindelic wird zum Rathaus in Altdorf gebracht. (Archiv) Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Die «Neue Zürcher Zeitung» erhob diese Woche schwere Vorwürfe gegen das Schweizer Fernsehen. Die «Rundschau» habe im Fall eines gescheiterten Auftragsmords einem Lügner eine Plattform geboten, zentrale Informationen unterschlagen und «den Tatablauf auf den Kopf» gestellt. Doch in ihrer Kritik hat die NZZ selber journalistische Grundregeln verletzt.

Im Streit der medialen Schwergewichte geht es um ein TV-Interview mit dem Auftragsschützen Sasa Sindelic. Gemäss rechtskräftigen Urteilen hatte Sindelic im Auftrag des Urner Cabaretbetreibers Ignaz Walker auf dessen Gattin geschossen, die schwer verletzt überlebte.

In Gesprächen der «Rundschau» gab Sindelic lange nach der Tat preis, wie das angebliche Opfer, er selber und weitere Personen ein Komplott gegen Walker inszeniert hätten. Dem Barbetreiber sollten Schüsse auf seine Frau angelastet werden. Das waren grosse Neuigkeiten im umstrittenen Gerichtsfall. Das Bundesgericht verwarf später die Komplott-Theorie.

Die «Rundschau» strahlte Sequenzen aus den Interviews aus, welche die Frau be- und Walker entlasteten. Die NZZ wirft SRF vor, «Ungereimtheiten und Widersprüche» völlig ausgeblendet zu haben.

Die «Rundschau» zeigt jetzt eine gewisse Einsicht, indem sie festhält: «Rückblickend stellen wir selbstkritisch fest, dass wir die Widersprüchlichkeit der Person von Sindelic zu wenig stark herausgearbeitet haben.» SRF wehrt sich aber kategorisch gegen den schwereren Manipulationsvorwurf.

Konkret kritisiert die NZZ, dass sich Sindelic verschwatzt und Walker belastet habe, was die «Rundschau» verschweige. Eine Visionierung der entsprechenden Stelle durch das Tamedia-Recherchedesk zeigt, dass der NZZ-Journalist offensichtlich in einem zentralen Satz Objekt und Subjekt verwechselt. In der Zentralschweizer Mundart sagt Sindelic: «Irä Ehema, de het sie unbedingt wellä loswärdä.» Aus dem Kontext geht eindeutig hervor, dass damit gemeint ist, dass die Frau «ihren Ehemann» ins Gefängnis bringen wollte.

Der zweite Vorwurf der NZZ ist schwerwiegender: Der TV-Reporter habe versucht, Sindelic Worte in den Mund zu legen. Die Visionierung zeigt nun aber, dass es vielmehr der NZZ-Redaktor ist, der dem «Rundschau»-Kollegen ein Wort in den Mund legt, das nicht gesagt wird. Auf Anfrage hält der NZZ-Redaktor fest, dieses Wort sei naheliegend gewesen. Doch er schreibt auch: «Falls der Reporter etwas anderes sagen wollte, entschuldige ich mich für die falsche Interpretation.»

Die Fehlinterpretationen der Zeitung wären wohl zu vermeiden gewesen, wenn die NZZ die «Rundschau» vor der Publikation konfrontiert hätte. Doch dies hat sie nicht getan. Die NZZ findet aber nach wie vor, «die allfälligen Retuschen» würden nichts am Gesamteindruck des Interviews ändern: Sindelic erweise sich «als äusserst unglaubhafter Zeuge». Das Rohmaterial bestätige ein psychiatrisches Gutachten.

Nicht äussern wollte sich die NZZ zum Vorwurf, sie habe selber Interviewaussagen frisiert.

Erstellt: 19.01.2019, 13:21 Uhr

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