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Occasions-Jets für die Schweiz?

Der Eurofighter ist der Wunschjet der Schweizer Militärpiloten, doch kostet er zu viel. Deutschland macht nun mitten in der Kontroverse um den Gripen-Kauf ein verlockendes Angebot: Occasions-Jets.

Stach den Gripen in den Tests aus: Der Eurofighter bei den Testflügen von Armasuisse in Emmen LU. (25. November 2008)
Stach den Gripen in den Tests aus: Der Eurofighter bei den Testflügen von Armasuisse in Emmen LU. (25. November 2008)

Mitten in die entscheidende Phase der Beschaffung eines Kampfjets kommt jetzt ein neues Angebot aus Deutschland. Gemäss Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» hält der Hersteller, die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS), eine neue Offerte bereit: Die Schweiz soll 33 Occasions-Eurofighter kaufen können – für ungefähr jene 3,2 Milliarden Franken, welche die 22 Flieger des noch nicht gebauten Kampfjets Gripen E/F kosten.

Der Gripen ist der Favorit von Verteidigungsminister Ueli Maurer. Die Occasions-Jets kommen aus den Beständen der deutschen Luftwaffe und sind offenbar in hervorragendem Zustand. Es geht laut «Sonntag» um den Eurofighter der Tranche eins, der seit 2003 hergestellt wird und in fünf Ländern im Einsatz ist.

Gute Testergebnisse

Es ist jener Eurofighter, der 2008 in Emmen LU die Testflüge von Armasuisse bestritt. Gemäss Bericht der Subkommission der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK) erreichte er die Truppentauglichkeit «vorbehaltlos» – im Gegensatz zum schwedischen Gripen E/F.

Die Offerte der EADS ist flexibel gestaltet. Entsprechend ihren Bedürfnissen könnte die Schweiz in einer ersten Phase 33 oder 22 Occasions-Eurofighter kaufen. Bis zu 33 Stück kosten rund 3,2 Milliarden Franken. Für 22 Eurofighter wären es rechnerisch rund 2,2 Milliarden.

Flexible Angebote

Mit diesem Paket würden die 54 Tiger F-5 ersetzt. Danach könnte die Schweiz die 33 F/A-18 mit neuen Eurofightern der Tranche drei ablösen. Denn gemäss dem Gripen-Bericht stellt sich auch die Frage der Ablösung der F/A-18. Konfrontiert mit diesen Recherchen heisst es beim Konzern: «EADS ist jederzeit in der Lage, solche Angebote im Budgetrahmen der Schweiz zu machen.» Die Deutschen reagieren gemäss dem «Sonntag» mit ihrer Offerte auf den Bericht, wonach für das VBS die Kostenfrage entscheidend sei.

Während der Evaluation hatten Occasionsflugzeuge keine Rolle gespielt. Ihr Angebot will die EADS gemäss Insidern vorläufig nicht offiziell unterbreiten – weil die Schweiz zurzeit mit Schweden verhandelt. Die Politik müsste sie dazu auffordern.

Rahmenabkommen unterzeichnet

Die Schweiz und Schweden intensivierten kürzlich die gemeinsame Beschaffung von Gripen-Kampfflugzeugen. Die beiden Länder unterzeichneten ein Rahmenabkommen, welches die Details der Gripen-Beschaffung regelt.

Im Abkommen wurden Einzelheiten wie Leistungsspezifikationen, Liefertermine, Preis, Ausrüstungsumfang und Bodeninfrastruktur für Einsatz und Ausbildung geregelt. Unterschrieben wurde das Papier von Armasuisse und der schwedischen Regierungsagentur FXM.

Einzelheiten dazu wollte das VBS vorerst nicht nennen. VBS-Sprecher Peter Minder verwies auf das sogenannte Kasernengespräch von VBS-Chef Ueli Maurer am kommenden Dienstag in Thun. Dort sollen die Details des Abkommens mit Schweden offengelegt werden.

Gripen vor Absturz – weil Schweden weniger Jets kauft

Die finanziellen Risiken des Gripen-Kaufs sind aber weiter gestiegen. Dies schreibt der «SonntagsBlick». Der Grund: Schweden will nur noch 40 bis 60 Gripen kaufen, alles Einplätzer. Erst waren 80 bis 100 geplant, dann 60 bis 80 – und nun also nochmals 20 weniger. Die Sicherheits-Subkommission, die die Beschaffung untersuchte, bezweifelt in ihrem diese Woche vorgestellten Bericht, ob eine Gripen-Gesamtflotte von 80 bis 100 Jets genüge, um die Weiterentwicklung des Flugzeugs zu finanzieren.

Nun schrumpft die Gesamtflotte gar auf 60 bis 80. «Je weniger Gripen Schweden kauft, desto grösser ist die Gefahr, dass die Jets technologisch nicht in der Form gebaut werden, wie man es uns verspricht», sagt Thomas Hurter (SVP), Präsident der Subkommission im «SonntagsBlick». Der Hersteller Saab könne sich dies kaum leisten. Auch die schwedische Regierung werde nicht einspringen, sagt Hurter.

Schweiz muss länger auf den Gripen warten

Klar ist, dass die Schweiz länger auf den fertigen Gripen E warten muss als geplant. Der neue Jet wird erst 2023 voll entwickelt sein. Das erklärte die schwedische Verteidigungsministerin Karin Eström an einer Pressekonferenz in Schweden. Mehrere mit dem Dossier vertraute Quellen gehen deshalb davon aus, dass die Schweiz in einer Übergangsphase alte Gripen vom Typ C/D mieten muss, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Ein entsprechendes Angebot habe Schweden dem Bund im Juni unterbreitet. Verteidigungsminister Ueli Maurer bezeichnete dies gestern weiterhin als «interessante Option.» Trotzdem wird es der Gripen-Kauf schwer haben. Gestern kündigte FDP-Parteipräsident Philippe Müller an, seine Partei werde das Projekt wohl fallen lassen.

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