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Wo sind die Sargdeckel?

Unterdessen in Sitten: Einem berüchtigten Walliser Bestatter ist ein Fehler zu viel unterlaufen.

Halbe Sachen mit Särgen: Zwischenfälle im Sittener Krematorium sind zum Politikum geworden. Foto: PD
Halbe Sachen mit Särgen: Zwischenfälle im Sittener Krematorium sind zum Politikum geworden. Foto: PD

Mit diesem Toten stimmte was nicht. Der Mitarbeiter des Krematoriums von Sitten hatte es an diesem gewöhnlichen Dienstagmorgen Mitte April schon von weitem gesehen. Denn für eine ordnungsgemässe Kremierung fehlte das Entscheidende: der Deckel. Der in einem Sarg Aufgebahrte war somit sichtbar, das Gesicht von einem Kissen bedeckt. Der Leichnam hätte in diesem Fall in seinen Kleidern zuerst Feuer fangen können – ein Anblick, der auch für erfahrene Krematoriumsmitarbeiter wohl nicht so einfach zu verdauen ist.

Der Mitarbeiter verlangte also beim Bestatter, der den mangelhaften Sarg herangekarrt hatte, sofort das fehlende Teil und machte klar, dass bis dahin nichts und niemand ins Feuer gehen würde. Vier Tage später: Wieder fehlte einem Sarg der Deckel. Und wieder war es der gleiche Bestatter, der mit einem halben Sarg daherkam.

Doch warum? Wieso konnte dieser Bestatter den Deckel nicht drauflassen?

Dem Leiter des Krematoriums soll er laut der Zeitung «Le Nouvelliste» erklärt haben, dass die Angehörigen den mit Fotos personalisierten Deckel hätten behalten wollen. Und überhaupt sei das nichts Spezielles. In Lausanne würden sie das ständig machen, so der Walliser Bestatter. Zumindest Letzteres lässt sich klar widerlegen. Diese Praxis gilt nicht. Sind das also alles nur Ausreden? Wollte er vielleicht einfach die aufwendig gestalteten ­Deckel für seinen Showroom behalten?

Falscher Mann im Grab

Die Beweggründe bleiben im Unklaren – vorerst. Denn die zwei Zwischenfälle im Sittener Krematorium sind mittlerweile zum Politikum geworden. Die Behörden haben eine Untersuchung einge­leitet, die eventuelle Mängel oder gar system­bedingte Fehler im Umgang mit Verstorbenen aufdecken sollte.

Der auffällige Bestatter aus Martigny sorgt nicht zum ersten Mal für Aufregung in einem ansonsten diskreten Metier. Letzten Sommer war er Teil eines bizarren Zwischenfalls, als ein Leichnam im ­falschen Grab landete. Aber da ist offenbar noch mehr: Angehörige berichteten, dass sie einst von besagtem Bestatter angeschnauzt worden seien. Auch der Umgang mit Blumen ist eher ein ruppiger. Lilien und Rosen sollen schon mal hingeworfen statt gelegt worden sein.

Ein Priester hat zum Boykott des Bestatters aufgerufen.

Auf der Website des Bestatters hingegen erhält man einen ganz anderen Eindruck. Da wird auf die 25-jährige Erfahrung des Unternehmens hingewiesen. Und da sind aufmunternde Worte von anonymen Klienten zu lesen, Erzählungen von der herausragenden Zusammenarbeit. Diese Worte nützen nun aber nichts mehr. Ein Priester im Mittelwallis will nichts mehr mit diesem Bestatter zu tun haben. Er hat zum Boykott des Unternehmens aufgerufen.

Diese Woche hat der im Fokus stehende Bestatter nun die Konsequenzen gezogen. Er will künftig seinen Dienst an den Toten den Lebenden nicht mehr anbieten.

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