Olympia? Abstimmen!

Die Initianten von Sion 2026 fordern den Support der ganzen Schweiz – ob sie ihn haben, lässt sich ganz schweizerisch messen: an der Urne.

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Vor wenigen Wochen verhaftete die brasilianische Polizei den Chef des Organisationskomitees von Rio 2016. Der Verdacht: Korruption bei der Vergabe der Sommerspiele 2016. Name der Aktion: Unfair Play.

Die Schweizer Initianten von Sion 2026 sind sich des miserablen Images bewusst, welches das IOK heute geniesst. Sie stellen deshalb Spiele der Vernunft in Aussicht. Keine überteuerten Neubauten, keine ­explodierenden Budgets. Sportminister Guy Parmelin (SVP) sagte am Mittwoch, als er die Zusage des Bundesrats zum Projekt verkündete: 995 Millionen Franken darf es kosten. Mehr nicht.

Aber kaum war die Präsentation vorbei, begannen diese klaren Ansagen wabbelig zu werden. Zum Beispiel das Argument Parmelins, Los Angeles 2028 habe dem IOK keine Defizitgarantie mehr sprechen müssen: Gemäss «NZZ am Sonntag» ist das sehr wohl der Fall. Solche Unsauberkeiten sind Gift, wenn die Organisation eines Anlasses mit einem Partner zur ­Debatte steht, der in der Öffentlichkeit vor allem als Club korrupter Privilegienverwalter gesehen wird.

Das Wallis kümmert sich nicht allein um die ­Organisation.

Soll eine Schweizer Kandidatur politisch Chancen haben, sind zwei Punkte zentral. Erstens muss das IOK der Schweiz über den Status quo hinaus Zusagen machen. Etwa: zusätzliche Sicherheitskosten zu übernehmen. Wie hoch diese 2026 ausfallen, ist neun Jahre ­voraus kaum planbar; Spezialisten halten die jetzigen Schätzungen von 303 Millionen Franken für zu tief.

Zweitens: Eine eidgenössische Volksabstimmung muss möglich sein, nachdem die involvierten Kantone grünes Licht gegeben haben. Die Promotoren sagen es selbst: Das Wallis kümmert sich nicht allein um die ­Organisation, «Sion 2026 est un projet suisse», so Stadtpräsident Philippe Varone. Gleichzeitig argumentiert Hans Stöckli, Vizepräsident des Organisations­komitees, eine landesweite Abstimmung liege zeitlich nicht drin.

Das sind Ausflüchte: Die Winterspiele neu zu erfinden, ist eine riesige Chance, aber auch ein milliardenteures Experiment, das trotz aller Absicherungen finanziell entgleisen kann. Die Initianten fordern den Support der ganzen Schweiz – ob sie ihn haben, lässt sich ganz schweizerisch messen: an der Urne.

Erstellt: 22.10.2017, 21:37 Uhr

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