«Operation Libero ist nicht unsere Gegnerin»

Die Grünliberalen haben neu eine nationale Jungpartei. Co-Präsident Pascal Vuichard sagt, warum die schwächelnde GLP das braucht.

Neuer Co-Präsident der JGLP und Vizepräsident der GLP Schweiz: Doktorand Pascal Vuichard.

Neuer Co-Präsident der JGLP und Vizepräsident der GLP Schweiz: Doktorand Pascal Vuichard. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Vuichard, die GLP ist eine kleine Partei und hat bei den letzten Wahlen schlecht abgeschnitten. Warum braucht sie sogar noch eine Jungpartei?
Wir haben im Unterschied zur Mutterpartei bei den Wahlen 2015 ein sehr gutes Resultat erzielt. In den Kantonen Zürich und Luzern waren wir sogar die stärkste Jungpartei. Und das, obwohl wir damals erst als Netzwerk organisiert waren und noch keine festen Parteistrukturen hatten. Diese grosse Mobilisationskraft hat uns gezeigt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um die JGLP zu gründen.

Bei den Wahlen 2015 holte Ihre Jungpartei acht Prozent der Wählerstimmen der GLP. Was macht die JGLP besser als die Mutterpartei?
Wir vertreten unsere Interessen wohl etwas frecher und dynamischer als die GLP. Unsere Kampagnen gehen sehr nahe an die Leute heran, wir sind häufig auf der Strasse. Zudem ist unsere Wählerbasis sehr jung: Über ein Drittel der GLP-Wähler ist unter 35 Jahren alt. Das verdeutlicht unser grosses Potenzial.

Genau das könnte aber zum Problem werden: Wird die ohnehin schon kleine Mutterpartei dadurch nicht geschwächt?
Im Gegenteil: Wir passen unsere Themen sehr spezifisch auf unsere Zielgruppe an – dadurch sprechen wir noch mehr Neuwähler an.

Die JGLP engagiert sich im Referendum gegen das Büpf. Die Mutterpartei hat dazu eine andere Meinung. Zwischen Juso und SP hat es deswegen bereits Knatsch gegeben. Belastet ein solcher Konflikt gleich bei der Gründung das Verhältnis zur GLP?
Nein, wir haben ein gutes Einvernehmen mit der GLP und tauschen uns intensiv aus. Bei diesem Thema gibt es einen Graben zwischen Jung und Alt – nicht nur in der GLP. Auch zum Nachrichtendienstgesetz haben wir eine andere Position als die GLP. Datenschutz im Internet ist uns sehr wichtig.

In Ihrem Parteiprogramm stehen ansonsten viele Allgemeinplätze. Was unterscheidet die JGLP von anderen Jungparteien der Mitte?
Wir sind als einzige Jungpartei konsequent wirtschafts- und gesellschaftsliberal. Zudem ist uns die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit sehr wichtig.

Was ist die grösste politische Herausforderung der nächsten Jahre?
Die Sicherung der Altersvorsorge ist das wichtigste Dossier der nahen Zukunft. Und wir haben bereits konkrete Lösungsvorschläge für einzelne Bereiche dieses komplexen Vorhabens. So können zum Beispiel Pensionskassen und Versicherungen im aktuellen Tiefzinsumfeld keine neuen Renditen erwirtschaften. Hier wollen wir Abhilfe schaffen: Wir fordern, dass die strikten Investitionsregulierungen gelockert werden. Pensionskassen und Versicherungen soll erlaubt werden, in Infrastrukturprojekte zu investieren. Damit könnte das Finanzierungsproblem etwas entschärft werden.

Am letzten Abstimmungssonntag waren Junge prägend: die Operation Libero mit ihrer Kampagne gegen die DSI, die Juso mit ihrer Spekulationsstoppinitiative. Welche Rolle spielen die Jungen heute in der Politik?
Wir vertreten die Interessen eines Wählersegments, auf das sich die etablierten Parteien zu wenig fokussieren. Daher fallen viele politische Entscheide gegen die Interessen der Jungen. Anstatt dies hinzunehmen, bringen Jungparteien konkrete Änderungsvorschläge. Daneben mobilisieren Bewegungen wie die Operation Libero die Zivilbevölkerung mit ihren Kampagnen.

Aber gerade die Operation Libero ist eine Konkurrenz für Sie, weil sie inhaltlich viele gleiche Positionen hat.
Ich sehe sie nicht als Gegnerin, sondern als Partnerin. Viele unserer Mitglieder sind auch bei der Operation Libero aktiv. Während sie sich auf die Kampagnenführung fokussiert, bieten wir unseren Mitgliedern die Chance, auch in Parlamente gewählt zu werden und sich aktiv politisch einzusetzen.

Operation Libero war erfolgreich mit einer Social-Media-Kampagne. Damit tun sich die etablierten Parteien schwer. Juso und Junge SVP setzen dagegen auf Provokation. Wie werden die Kampagnen der JGLP aussehen?
Wir sind sehr technikaffin und haben viele Social-Media-Experten. Wegen unserer begrenzten Ressourcen sind wir darauf angewiesen, vor allem diese Kanäle zu nutzen.

Die anderen Jungparteien sind in der Öffentlichkeit unterschiedlich präsent. Welche ist für Sie ein Vorbild?
Eine Kombination aus den Jungen Grünen und den Jungfreisinnigen entspricht uns am ehesten. Erstere sind auf Social Media sehr präsent. Die Jungfreisinnigen äussern sich rasch und gut organisiert zu den grossen Themen. Diese Symbiose wollen wir erreichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.03.2016, 14:42 Uhr

Die Jungen Grünliberalen

Bisher war die JGLP als Netzwerk organisiert, am 23. April wird sie in Luzern als eigenständige Partei gegründet. Co-Präsidenten sind der Glarner Pascal Vuichard und die Bernerin Salome Mathys. Zudem wird der 27-jährige Vuichard neuer Vizepräsident der GLP Schweiz.

Artikel zum Thema

So laut und frech sind die Jungen

Die Jungparteien mischen im politischen Geschäft mit den Grossen mit. Die Aufmerksamkeit ist ihnen sicher – der Erfolg weniger. Mehr...

Schlechte Wahlaussichten für Jungpolitiker

In der «Arena» streiten sich heute Abend Juso, Jungfreisinnige und Co. Bei den Jungparteien herrschen andere Mehrheitsverhältnisse. Doch beeinflusst dies die Wahlen? Mehr...

Jungparteien verlangen freie Buchpreise

Das Parlament entschied sich für ihre Wiedereinführung, nun folgt das Referendum: Jungparteien haben genügend Unterschriften gesammelt, um eine Volksabstimmung über die Buchpreisbindung zu erzwingen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Burn, baby, burn: An der «Nit de la Cremà» im südspanischen Alicante brennen zu Ehren des Heiligen Johannes rund 180 riesige Holzfiguren. (24. Juni 2019)
(Bild: Manuel Lorenzo/EPA) Mehr...