«Operation Opson» und der Blick in die Schweiz

Europol und Interpol entdeckten in 57 Staaten 10'000 Tonnen gefälschte, gefährliche oder ungeniessbare Lebensmittel. Wie ist die Situation hierzulande?

Lebensmittelkontrolleur im Einsatz: Im Jahr 2014 haben die Kantonschemiker 43'000 Lebensmittelproben untersucht – und hatten einiges zu beanstanden.

Lebensmittelkontrolleur im Einsatz: Im Jahr 2014 haben die Kantonschemiker 43'000 Lebensmittelproben untersucht – und hatten einiges zu beanstanden. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Mit Kunstdünger verseuchter Zucker, in Formalin eingelegte Hühnerinnereien, mit Kupfersulfat gefärbte Oliven und ungeniessbares Fleisch: In einer koordinierten Aktion haben Interpol und Europol 10'000 Tonnen Lebensmittel sichergestellt, die gefälscht, gepanscht oder schlicht gesundheitsgefährdend waren. 57 Länder beteiligten sich an der Aktion, darunter auch die Mehrheit der europäischen Länder. In den Nachbarländern Deutschland, Spanien, Belgien und Italien hatten die Behörden Lebensmittel beanstandet. Die Schweiz hatte sich an der «Operation Opson» nicht beteiligt. Heisst das, dass in der Schweiz keine gefälschten oder gefährlichen Lebensmittel im Umlauf sind?

Erst vor einem Monat musste der Schokoriegelhersteller Mars Millionen von Snacks zurückrufen, von denen ein Teil auch in der Schweiz angeboten wurde. 2013 entdeckten Chemiker Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert wurde. Solche Nahrungsmittelskandale sind in der Schweiz selten. Trotzdem: Auch hierzulande ist man nicht sicher vor Lebensmittelfälschern, wie Berichte des Bundesamtes für Veterinärwesen (BLV) zeigen. Jüngstes Beispiel: 2015 führte das BLV Kontrollen von Honigproben durch. Fast jede zehnte der total 96 Proben ergab, dass die botanische oder geografische Herkunft falsch angegeben wurde. Vier Prozent der Untersuchungen ergaben Mängel bei der Herstellung oder Verunreinigungen.

Pestizide im Gemüse, Mineralöl im Reis

Auch an der Grenze bleiben immer wieder Lebensmittel hängen, die potenziell gesundheitsschädigend sind. Konkret wurden 45 Kontrollen an Reis aus Thailand und 52 Untersuchungen von Gemüse aus Asien durchgeführt. Das Fazit: Rund die Hälfte der Reisproben wiesen Pestizidrückstände auf, wobei die Konzentration nur in Einzelfällen die zulässigen Grenzwerte überschritten haben. Beanstandet wurde ausserdem in 11 Prozent der Fälle eine zu hohe Konzentration von Mineralöl, das über die Transportsäcke der Bauern in den Reis gelangt. Die gute Nachricht: Jasminreis enthält fast gar keine Rückstände.

Ein Drittel der Proben des asiatischen Gemüses enthielt zu hohe Pestizidrückstände, eine Gefährdung der Gesundheit sei nicht auszuschliessen, etwa durch Fungizide und Nitrate. Bei einer Probe Bittergurken aus Sri Lanka war die Pestizidkonzentration so hoch, dass eine Gefährdung der Gesundheit gegeben sei. Allerdings: Die «sehr problematischen» Wirkstoffe mit akuter Toxizität seien kaum mehr gefunden worden, heisst es im BLV-Bericht. Auffällig seien die «enorm hohen Beanstandungsquoten» von Produkten aus Vietnam, Malaysia und Kambodscha.

Weniger als ein Prozent der Warnungen kommen aus der Schweiz

Auch bei Kontrollen im Land entdecken die Chemiker immer wieder problematische Substanzen. Die Kantone haben 2014 43'000 Lebensmittelproben genommen. 1800 wurden auf Pestizide untersucht, bei zehn Prozent wurden die Höchstwerte überschritten.

Wirklich gesundheitsgefährdende Lebensmittel sind in der Schweiz allerdings extrem selten, insbesondere im europäischen Vergleich. Alle Mitgliedsstaaten der EU und die Schweiz übermitteln dem Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) Warnungen über entdeckte Nahrungsmittel, von denen ein Risiko für Mensch oder Tier ausgeht. Insgesamt gingen im Jahr 2015 knapp 3000 Meldungen ein, 24 davon aus der Schweiz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.03.2016, 16:29 Uhr

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