Papiertiger Astra

VW-Skandal: Lediglich ein paar Dutzend Autos sind betroffen. Das Zulassungsverbot des Bundes ist ein Witz.

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Nun hat also der Berg definitiv die Maus geboren: Gestern erreichte uns die Mitteilung des Bundesamts für Strassen (Astra), wonach ein Zulassungsverbot für Neufahrzeuge gelten würde. Konkret heisst das, dass noch nicht zugelassene Occasionsfahrzeuge aus dem Ausland vorläufig nicht in Verkehr gesetzt werden können. Es geht also nicht mehr um das am Freitag vor einer Woche in Aussicht gestellte «Verkaufsverbot» von 180 000 potenziell betroffenen Fahrzeugen – was weltweit Schlagzeilen machte. Das Verbot gilt auch nicht für die 130'000 Autos, die das Astra nach einer Korrektur am Montag nannte. Betroffen sind auch nicht die paar Hundert manipulierten VW-Modelle, die momentan hierzulande in den Verkaufsräumen herumstehen. Nein, die Rede ist von höchstens ein paar Dutzend Occasionen, die in den kommenden Wochen von Parallel­importeuren oder Privaten eingeführt worden wären. Diese dürfen «aus Gründen des Umweltschutzes» bis zur erfolgten Umrüstung durch VW nicht auf den Strassen fahren. Warum dies nicht für die übrigen knapp 130'000 Autos gilt, bleibt ein «Amtsgeheimnis».

Das Astra hätte sich und der Öffentlichkeit dieses Theater ersparen können. Sicherlich lag es auch an der unglücklichen Kommunikation. Der Verdacht, dass Doris Leuthards Umweltdepartement unter dem Druck der Autobranche eingeknickt ist, bleibt aber im Raum stehen. Zu vieles in der Vergangenheit spricht dafür. Ein Beispiel: Lärmgrenzwerte. Genauso wie bei den Abgasen übernimmt die Schweiz EU-Normen bei den Geräuschemissionen. Die Bordcomputer leistungsstarker Personenwagen wie von Ferrari, Maserati, Porsche oder Audi erkennen während der Typengenehmigungsprüfung die besondere Situation und schliessen die Auspuffklappen, um so die Grenzwerte einzuhalten. Bei offenen Klappen entweicht hingegen ein brachiales Motorengeräusch. Obwohl dies öffentlich dokumentiert ist, hat das Astra nie Anstalten gemacht, ein Zulassungsverbot bis zur Behebung des Missstandes zu erlassen. Dito bei den Motorrädern. Auch hier schummeln sich die Hersteller mittels Software durch die Typenzulassung, um später ihre Töffs auf der Strasse bis zu 24-mal lauter als erlaubt röhren zu lassen.

Erstellt: 03.10.2015, 08:07 Uhr

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