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Parkplatz-Graben spaltet die Schweiz

Während es auf dem Land zu viele Abstellplätze gibt, suchen Städte verzweifelt nach Lösungen für ihre Parkplatzprobleme.

Sorgt für Unmut: Zürich will in den Hochtarifzonen in der Innenstadt die Gebühren erhöhen.
Sorgt für Unmut: Zürich will in den Hochtarifzonen in der Innenstadt die Gebühren erhöhen.
Steffen Schmidt, Keystone

In Städten und deren Vororten kämpfen Politiker und Bewohner gegen die Parkplatznot. Höhere Gebühren und angepasste Reglemente sollen die Situation entschärfen. Die hohe Nachfrage nach Parkplätzen sei «landgetrieben», sagt Cyrill Wiget, Gemeindepräsident von Kriens, zur NZZ.

Er spricht von einem Stadt-Land-Graben in Sachen Parkplätze. «Jene Leute, die sich ein Häuschen im Grünen leisten, fahren mit dem Auto zu uns, um von den Einkaufsmöglichkeiten und vom kulturellen Angebot zu profitieren.» Auf dem Land gebe es zu viele Abstellplätze für Autos, moniert der grüne Politiker.

«Als Städter bin ich erstaunt»

Dass ein Graben existiert, bestätigt Verkehrsexperte Peter de Haan von der ETH Zürich. Dieser verschiebe sich immer mehr Richtung Agglomeration, sagt der Dozent für Energie und Mobilität. Auf dem Land finde man meist ohne Probleme einen freien Parkplatz. «Als Städter bin ich immer wieder erstaunt darüber.»

Kriens musste sein Parkplatzreglement bereits an jenes von Luzern anpassen. Neu ist gesetzlich geregelt, wie viele Parkplätze in privaten Überbauungen höchstens angelegt werden dürfen. Vorher mussten Bauherren eine Mindestzahl Parkplätze zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wächst in der Agglomeration die Anzahl Haushalte, die über kein eigenes Auto mehr verfügen. In Kriens sind es annähernd 42 Prozent.

Quartierbewohner fürchten Suchverkehr

Dagegen wehren sich die Bewohner von ländlichen Gemeinden gegen eine Einschränkung der Parkmöglichkeiten. So konnte die 6900-Seelen-Gemeinde Ruswil im Kanton Luzern ihr neues Parkplatzreglement aufgrund von Einsprachen noch nicht einführen. Viele Einwohner seien nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen und deshalb für die erste Etappe auf ein Auto angewiesen, erklärt Gemeindepräsident Leo Müller in der NZZ.

Auch in Zürich stösst eine Anpassung der Gebühren auf Widerstand. Am 25. September stimmen die Einwohner nach einem Referendum über die geplante Erhöhung in den Hochtarifzonen ab. Diese schade der Attraktivität der Stadt, argumentiert das Komitee «Nein zur Parkgebühren-Abzocke». Da zudem die Gebühren in den Quartieren unverändert bleiben, befürchtet man vermehrten «Suchverkehr».

Auf eine andere Lösung setzt man in Basel. Im Wettsteinquartier wurden kürzlich 90 Gratisparkplätze in der blauen Zone neu weiss markiert und mit Parkuhren versehen. Zudem gilt neu eine Beschränkung der Parkzeit auf drei Stunden. Damit will man verhindern, dass Arbeitspendler die Parkplätze blockieren. Nur Bewohner des Quartiers dürfen künftig noch mit einer Anwohnerparkkarte unbegrenzt parkieren.

Statistisch gesehen wisse man zu wenig über das Thema, sagt Verkehrsexperte De Haan zur NZZ. Er schätzt, dass den 4,45 Millionen Autos in der Schweiz rund zehn Millionen Parkplätze gegenüberstehen.

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