Pendlerhauptstadt Zürich

Für Schweizer Städte werden Pendler zu einer immer grösseren Herausforderung. Wie Zürich im landesweiten Vergleich abschneidet.

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In den letzten vierzig Jahren haben sich die auf Strasse und Schiene zurückgelegten Personenkilometer verdoppelt. Zu einem grossen Teil liegt das an den Pendlern im urbanen Gebiet: 3,9 Millionen Schweizerinnen und Schweizer fahren mittlerweile täglich zur Arbeit – ein Fünftel davon alleine im Grossraum Zürich. Das zeigt die gestern veröffentlichte «Statistik der Schweizer Städte 2017» des Bundes. Demnach muss Zürich die mit Abstand grössten Pendlerströme steuern.

In Zürich – mit 1,28 Millionen Einwohnern die grösste Agglomeration der Schweiz – sind an einem durchschnittlichen Werktag fast 774'000 Pendelnde unterwegs. Ein Grossteil davon (535'284) sind Zürcherinnen und Zürcher selbst, die innerhalb ihres Wohnorts zur Arbeit fahren. Hinzu kommen gut 166'000 Menschen, die für ihren Job in die grösste Schweizer Stadt pendeln, und 72'000, die sie dafür verlassen.

Auch Bern hat mehr als doppelt so viele Zupendler (86'110) wie Wegpendler (33'059), muss insgesamt aber nur gut ein Drittel so viele Menschen transportieren wie Zürich. Die beiden Städte weisen die höchsten Pendlerzahlen auf, aber auch den grössten ÖV-Anteil. In Bern benutzen 55 Prozent der Arbeitspendler den öffentlichen Verkehr als primäres Transportmittel, in Zürich sind es sogar 65 Prozent oder fast zwei Drittel. Zum Vergleich: Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 30 Prozent.

Auf Platz drei der Städte mit dem höchsten ÖV-Anteil im Pendlerverkehr folgt die Zürcher Gemeinde Thalwil mit ihren gut 17'700 Einwohnern, noch vor den Grossstädten Basel und Lausanne. Grundsätzlich aber nimmt mit sinkender Einwohnerzahl auch der Anteil des öffentlichen Verkehrs als primäres Transportmittel ab. In Städten mit weniger als 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt er im Schnitt bei lediglich 23 Prozent.

Dies hängt wohl einerseits mit der schlechteren Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr und andererseits mit dem Umstand zusammen, dass in kleineren Städten der Arbeitsort häufiger nicht mit dem Wohnort zusammenfällt. In den dicht besiedelten Ballungszentren hingegen dominiert der öffentliche Verkehr, da er dort im Vergleich zum Auto das effizientere Verkehrsmittel darstellt.

Gerechnet auf die ganze Schweiz bevorzugt trotzdem eine Mehrheit von 54 Prozent der Pendelnden das Auto. In Mendrisio, Bulle, Monthey und Siders fahren mit mehr als 70 Prozent am meisten mit dem eigenen Wagen zum Arbeitsplatz. Im mehrheitlich autofreien Zermatt (3 Prozent) sowie in den Städten Basel (18 Prozent), Bern (19 Prozent), Zürich (20 Prozent) und Genf (25 Prozent) sind es am wenigsten.

Dementsprechend tief ist der Motorisierungsgrad in den Grossstädten, wo die Personenwagenquote zwischen 2007 und 2015 um gut 12 Prozent abnahm. In Basel, Genf, Lausanne und Zürich besitzen immer weniger Menschen ein Auto.

Zürich belegt den zweitletzten Rang der 170 verglichenen Schweizer Städte. Hier kommen 351 Autos auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Nur in Basel ist die Quote mit 0,33 Personenwagen pro Person noch kleiner. Einen hohen Autoanteil haben hingegen Cham, Urdorf, Freienbach und Schlieren mit je 0,7 Autos pro Einwohner.

Die Steuerung der Pendlerströme dürfte für die Städte in den nächsten Jahren zu einer immer grösseren Herausforderung werden. Mehr als 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben mittlerweile im städtischen Gebiet. Gleichzeitig wachsen Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit und Freizeit. Im Jahr 2000 dauerte ein Arbeitswegs noch durchschnittlich 23 Minuten. 2014 waren es bereits 30 Minuten.

Erstellt: 11.04.2017, 16:57 Uhr

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