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Pensionskassen: Nur keine Panik

Der Börsencrash bringt die Pensionskassen in Bedrängnis. Warum der Verband trotzdem keine raschen Sanierungen will.

Minus 13 Prozent. Um so viel haben die Vermögen der zweiten Säule seit Anfang Jahr abgenommen. Mindestens. Jede zweite Pensionskasse ist inzwischen in eine Unterdeckung geraten. Konkret heisst das: Die vorhandenen und angelegten Gelder reichen gegenwärtig nicht aus, um alle laufenden und künftigen Renten zu garantieren.

Nur Buchverluste

Trotzdem mahnt der Pensionskassenverband Asip zur Ruhe. «Es besteht nach wie vor kein Grund, in Panik zu verfallen», sagt Verbandsdirektor Hanspeter Konrad. Sein Hauptargument: Das Pensionskassengeschäft ist ein langfristiges Geschäft, und die Verluste auf den Aktien sind nur Buchverluste. Mit der Zeit sollte die Rendite wieder steigen.

Aus diesem Grund warnt Asip vor überstürzten Sanierungen bei Pensionskassen, die in Schieflage geraten sind. «Die Aufsichtsbehörden müssen in dieser Frage Mass halten», fordert Konrad und sitzt damit für einmal mit den Gewerkschaften im gleichen Boot. Auch der Gewerkschaftsbund forderte in den letzten Tagen zur Zurückhaltung auf. Der Hintergrund: Bei harten Sanierungen bluten normalerweise die Arbeitnehmer am meisten.

Erinnerung an 2003

Auch beim Verband dürften neben dem unbestrittenen Langfristargument politische Überlegungen eine Rolle spielen im Bemühen, das Thema Sanierung aus den Schlagzeilen herauszuhalten. «Die Erinnerung an die Pensionskassenkrise 2003 ist noch sehr präsent», sagt ein Branchenkenner.

Damals, nach dem Platzen der Dotcom-Blase, gerieten die Vorsorgeinstitute und Versicherungen ebenfalls massiv ins Schleudern, und die Sanierungsmassnahmen führten zu grundsätzlichen Debatten über die zweite Säule: Sollte man diese Form der Vorsorge nicht abschaffen zugunsten einer starken AHV? Oder sollten die Versicherten nicht wenigstens die Möglichkeit haben, ihre Pensionskasse selber zu wählen?

Mittel- und langfristig denken

Fragen, die der Pensionskassenverband nicht schon wieder ausführlich diskutiert haben möchte. «Man sollte die jetzige Situation nicht ausnützen, um fundamentale Änderungen im System der Vorsorge durchzubringen», sagt Konrad. «Das heutige Modell ist mittel- und langfristig gesehen erfolgreich.»

Auch volkswirtschaftlich gesehen sind harte Sanierungen zurzeit wenig opportun. «Durch höhere Beiträge wird einfach mehr auf die hohe Kante gelegt», sagt ein Pensionskassenexperte. «Geld, das in der kriselnden Konjunktur besser für den Konsum ausgegeben werden sollte.»

Sanierungen

Trotz aller Einwände wird es nächstes Jahr aller Voraussicht nach bei mehreren Pensionskassen zu grösseren Sanierungsübungen kommen, falls sich die Börsen nicht rasch und kräftig erholen. Bestimmungen des Bundes legen nahe, dass bei einem Deckungsgrad unter 90 Grad entschieden eingegriffen werden muss. Kenner der Situation rechnen dabei auch mit Beitragserhöhungen der Arbeitnehmer und Kürzungen der Leistungen.

Entscheidend wird der 31. Dezember sein. An diesem Tag schliessen die Pensionskassen ihre Bücher und berechnen die Deckungslücke. Jene Zahl also, die sie der Aufsicht rapportieren müssen und die den Handlungsbedarf bestimmt.

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