Das erste Smart Parking in der Deutschschweiz

Per Sensor und App zum freien Parkplatz: Was St. Gallen testet, dürfte auch Zürich, Basel und Bern interessieren.

Herzstück des digitalen Parkplatzmanagements: Diese Sensoren kommen in St. Gallen zum Einsatz. Foto: PD

Herzstück des digitalen Parkplatzmanagements: Diese Sensoren kommen in St. Gallen zum Einsatz. Foto: PD

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Dank der digitalen Revolution werden immer mehr bisher eher tumbe Dinge plötzlich smart, also intelligent. Angefangen hat es mit der Einführung des ersten iPhone 2007, als Handys mit einer Multitouch-Bedienoberfläche fortan Smartphones hiessen. Mittlerweile sind wir bei intelligenten Parkplätzen angelangt.

Letzte Woche startete in St. Gallen das Pilotprojekt «Smart Parking». Dabei handelt es sich um ein di­gitales Parkplatzmanagement, das den Suchverkehr verringern und eine effi­zientere Parkplatznutzung ermöglichen soll. Federführend ist die Stadtpolizei St. Gallen. Während der einjährigen Testphase werden auf 48 Parkfeldern an der David- und der Pestalozzistrasse in der Innenstadt 96 Parksensoren ausprobiert. Das sind tellergrosse Detektoren aus Plastik, die in den Asphalt verbaut sind. Via Funk teilen sie freie Parkplätze auf das Handy oder Navigationsgerät der Autofahrer mit.

Ob das in der Praxis funktioniert, muss nun das Pilotprojekt zeigen. Zur Erkennung der freien Parkplätze testet St. Gallen Parksensoren von vier Unternehmen. 24 Sensoren stammen von der in Genf und Rotkreuz ZG ansässigen Firma IEM, die mittels Magnet- und Ultraschalldetektion arbeiten. So erkennt das Gerät, ob ein Auto auf dem Parkfeld zum Stillstand gekommen oder weitergefahren ist. Die Herausforderungen sind angesammelter Regen und im Winter Schnee.

Vorbild für andere Städte

Weitere 12 Detektoren stammen vom St. Galler Unternehmen Adec Technologies. Diese sind ebenerdig, was die Herausforderung mit sich bringt, das Regenwasser abfliessen zu lassen. Mit dabei sind auch die Winterthurer Leicom und das Münchner Start-up Park Here. Letzteres arbeitet mit energieautarken Sensorstreifen, die auf Druck reagieren. Die Sensoren kosten zwischen 150 und 300 Franken, insgesamt hat die Stadtpolizei 120'000 Franken für den Test ­bereitgestellt.

Begleitet und ausgewertet wird das Projekt von der Polizei zusammen mit der Universität St. Gallen. Reinhard Jung, Professor für Business Engineering, sagt, dass St. Gallen mit diesem Projekt eine technologische Vorreiterrolle einnehme: «Die Ergebnisse dürften für Städte mit ähnlichen Witterungsbedingungen interessant und nutzbar sein.» Infrage kommen also etwa Zürich, Bern und Basel, die bisher selbst kein Smart Parking planen. In Luzern sind seit vergangenem Jahr 19 Parkplätze auf dem Gelände des städtischen Energiedienstleisters EWL testweise mit Sensoren ausgestattet. Ob die Stadt Luzern auf intelligentes Parkieren setzen wird, ist noch offen: Eine entsprechende Interpel­lation der FDP wird erst im September beantwortet.

Video: Smart Parking in St. Gallen

Bereits weit fortgeschritten ist das Smart Parking in Genf, wo 650 Sensoren installiert sind. Erste Ergebnisse werden für diesen Sommer erwartet. «Einzigartig ist, dass wir in der Pilotphase verschiedene Sensoren testen und nicht einfach damit beginnen, einen Sensor zu verbauen, von dem wir nicht wissen, ob er die Anforderungen erfüllt», sagt Roman Kohler, Leiter Kommunikation bei der St. Galler Stadtpolizei. In Genf würden seines Wissens die Sensoren aus dem Boden ragen, «das ist in St. Gallen nicht möglich, da diese im Winter wohl von den Schneepflügen ausgerissen würden». Zudem habe sich in der kurzen Pilotphase bereits gezeigt, dass ­Velofahrer diese nicht sehr schätzten.

Das Projekt ist Teil des Smartnet-Systems – ein letztes Jahr installiertes Funknetz –, mit dem St. Gallen Schritt für Schritt zu einer Smart City ausgebaut werden soll. Bereits wird der Füllstand von Unterflursammelstellen via Funk überwacht, bei den Verkehrsbetrieben messen Sensoren die Temperatur von Fahrleitungen, und die öffentliche ­Beleuchtung wird der Verkehrsmenge respektive Personenfrequenz angepasst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2017, 08:29 Uhr

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