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Pfarrer wollen umstrittenen Hirtenbrief nicht verlesen

Der Hirtenbrief des Churer Bischofs Huonder stösst auf Widerstand. Viele Pfarrer im Bistum wollen ihn nicht verlesen, weil er dazu aufruft, geschiedenen Wiederverheirateten die Sakramente zu verweigern.

jak
Steht ziemlich allein mit seiner Ablehnung von Zweitehen: Bischof Vitus Huonder.
Steht ziemlich allein mit seiner Ablehnung von Zweitehen: Bischof Vitus Huonder.
Keystone

In Nidwalden hat die Dekanatsversammlung einstimmig beschlossen, dass der Hirtenbrief nicht verlesen werden könne. Silvia Brändle, Sprecherin des Dekanats, bestätigte am Freitag einen Bericht der «Neuen Nidwaldner Zeitung». Die Pfarrer befürchten, dass sie mit dem Verlesen «Ärger, Unruhe und Protest» hervorrufen würden, und zwar gerade bei jenen, die ein Wort der Ermutigung und Stärkung nötig hätten. Sie distanzierten sich deshalb von den Worten des Bischofs.

Stattdessen halten die Pfarrer in Nidwalden an der bisherigen Praxis fest und schliessen die geschiedenen Wiederverheirateten nicht von den Sakramenten (Kommunion, Versöhnung, Krankensalbung) aus. Die Kirche müsse offen und einladend sein für alle Menschen, heisst es in einer Stellungnahme der Dekanatsversammlung. Diese sei nicht gegen den Bischof gerichtet. Die Stellungnahme wird im Pfarreiblatt der nächsten Woche abgedruckt.

«Wir haben keinen Überblick darüber»

Vitus Huonders Forderung ist auch in anderen Teilen des Bistums Chur auf Unverständnis gestossen. Es sei davon auszugehen, dass der Hirtenbrief nur in wenigen Gottesdiensten ganz oder teilweise vorgelesen werde, sagte Kerstin Lenz, die Informationsbeauftragte der Zürcher Katholiken, auf Anfrage. «Wir haben aber keinen Überblick darüber.»

Es sei jedem Pfarrer überlassen, wie er mit dem bischöflichen Schreiben umgehen wolle. In Bassersdorf etwa wolle der Pfarrer den Brief von Huonder zwar vorlesen, diesen dann aber im Anschluss an den Gottesdienst mit den Gläubigen diskutieren. Im Dekanat Winterthur hat sich Pfarrer Hugo Gehring in einem offenen Brief «inhaltlich und formal vom bischöflichen Schreiben distanziert». Laut Lenz haben von 26 Pfarreien deren 23 die Stellungnahme mitunterzeichnet.

Betroffenheit in Zürich

Mit Betroffenheit hat der Zürcher Seelsorgerat, das Beratungsorgan von Generalvikar Josef Annen, auf den Hirtenbrief reagiert. Er frage sich ernsthaft, ob solch rigide Weisungen auch in jedem Fall dem Heil der betroffenen Menschen dienten, heisst es in einer Stellungnahme. Der Seelsorgerat vermisse das «Gesetz der Barmherzigkeit». Auch in den anderen Gebieten des Bistums, das neben Zürich und Nidwalden die Kantone Graubünden, Glarus, Schwyz, Uri und Obwalden umfasst, gibt es Widerstand gegen den Hirtenbrief von Bischof Huonder zur Fastenzeit.

Darin geht es nur um die geschiedenen Wiederverheirateten, nicht um die Geschiedenen. Die Ehe ist nach katholischem Kirchenrecht unaufkündbar. Die Geschiedenen sind somit nur zivilrechtlich geschieden und dürfen die Sakramente deshalb empfangen. Problematisch wird es erst, wenn sie wieder eine neue Partnerschaft eingehen.

Huonder vertritt mit seinem Brief die offizielle Lehre der Kirche. Der Bischof wolle damit den Wert der Ehe stärken, sagte sein Sprecher Giuseppe Gracia. Der Bischof wolle aber nicht die Geschiedenen diskriminieren.

(SDA)

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