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Pharma-Firma wirbt in Clubs für «Pille danach»

HRA-Pharma preist auf Club-Toiletten die «Pille danach» an. Das sorgt für heftige Kritik.

Bis vor Kurzem war das Notfallverhütungspräparat Ella One, das eine Schwangerschaft bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr verhindern können soll, auch im Nachtleben präsent.
Bis vor Kurzem war das Notfallverhütungspräparat Ella One, das eine Schwangerschaft bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr verhindern können soll, auch im Nachtleben präsent.
Martin Ruetschi, Keystone
Der Hersteller warb auf den Toiletten von rund 40 Zürcher und Winterthurer Clubs mit einem Quiz zum Thema Sex und Notfallverhütung und einem Verweis auf die Website von EllaOne für die Pille.
Der Hersteller warb auf den Toiletten von rund 40 Zürcher und Winterthurer Clubs mit einem Quiz zum Thema Sex und Notfallverhütung und einem Verweis auf die Website von EllaOne für die Pille.
Face AG
Alex Flach: «Diese Pille schützt nicht vor einer Ansteckung mit HIV. Mehr Sinn würden Kondom-Automaten machen.»
Alex Flach: «Diese Pille schützt nicht vor einer Ansteckung mit HIV. Mehr Sinn würden Kondom-Automaten machen.»
Gaetan Bally, Keystone
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100'000 Packungen der «Pille danach» gehen jährlich über den Ladentisch. Eine davon ist die seit Februar 2016 rezeptfrei erhältliche Ella One. Bis vor kurzem war das Produkt, das eine Schwangerschaft bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr verhindern können soll, auch im Nachtleben präsent: Der Hersteller warb auf den Toiletten von rund 40 Zürcher und Winterthurer Clubs. Laut der zuständigen Werbeagentur generierten die violetten Plakate eine «exorbitant hohe Aufmerksamkeit».

Die Aktion stösst auf Kritik. Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizer Stiftung SPO Patientenschutz, erachtet die Werbung als «unhaltbar». Solche Reklame sollte in Clubs verboten sein. «Sie sorgt geradezu dafür, dass sich junge Mädchen Männern – womöglich durch diese Werbung – ungeschützt und ohne an Verhütung zu denken zur Verfügung stellen.» Roman Schmid, Inhaber der 24-Stunden-Apotheke am Zürcher Bellevue, ärgert sich darüber, dass die Werbung die Zeitspanne von fünf Tagen für die Notfallverhütung anpreist. Das erhöhe die Risikobereitschaft. «Die meisten Menschen machen heute alles in letzter Minute», sagt Schmid. «Kommt jemand erst nach fünf Tagen in die Apotheke, kann es aber schon zu spät sein.»

Kampagne sei Prävention

Die Herstellerfirma HRA Pharma sieht ihre Werbung hingegen in erster Linie als Präventionskampagne. «Frauen wissen nicht, dass sie während einer grossen Spanne ihres Zyklus noch schwanger werden können», sagt Sprecher Florian John. «Über unsere Website hatten Frauen die Möglichkeit, sich über die Einzelheiten ihres reproduktiven Zyklus und mögliche kontrazeptive Massnahmen zu informieren.»

Laut der geltenden Verordnung über die Arzneimittelwerbung ist die Bewerbung von rezeptfreien Medikamenten bestimmter Abgabekategorien, die eine vorgängige Beratung erfordern, grundsätzlich erlaubt.

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