Zum Hauptinhalt springen

Philipp Müller soll alles sagen, was er weiss

Laut einem erfahrenen Anwalt wissen Verursacher fast immer, warum sie verunfallt seien. FDP-Präsident Philipp Müller müsse jetzt offen reden.

Philipp Müller hat vorsorglich Beschwerde gegen das Urteil eingereicht.
Philipp Müller hat vorsorglich Beschwerde gegen das Urteil eingereicht.
Keystone
Müller musste den Führerausweis vorläufig abgeben.
Müller musste den Führerausweis vorläufig abgeben.
Keystone
1 / 2

FDP-Präsident Philipp Müller hat nach dem Unfall, bei dem er eine Rollerfahrerin schwer verletzt hat, bereits zwei öffentliche Erklärungen abgegeben. Zur Frage, wie es zum Unfall kommen konnte, schweigt er jedoch weiterhin. Laut einem Spezialisten für Opfer von Verkehrsunfällen sei dies nicht das beste Vorgehen, wie der «Sonntagsblick» berichtet.

«In 99 Prozent der Fälle wissen die Verursacher, weshalb sie auf die Gegenfahrbahn geraten sind und einen Unfall verursacht haben», sagt der Rechtsanwalt Marco Unternährer zum «Sonntagsblick». Müller müsse alles offen legen, was er wisse. Die Öffentlichkeit erwarte ein hohes moralisches Verhalten von ihm, heisst es im Bericht weiter. Einfach zu sagen, man erinnere sich nicht, sei eine schlechte Strategie. Für den Fall, dass er sich tatsächlich nicht erinnere, müsse Müller abklären lassen, ob ein medizinisches Problem vorliege. Dann müsse seine Fahreignung grundsätzlich überprüft werden, so der Anwalt.

Bisher hat Müller lediglich bekannt gegeben, er sei nicht abgelenkt gewesen, habe nicht telefoniert oder mit dem Handy hantiert und habe sich vor und während der Fahrt fit gefühlt. Gemäss den heutigen Erkenntnissen lägen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er zu schnell gefahren sei. Ein Alkoholtest am Unfallort hat einen Wert von 0,00 Promille ergeben.

«Allfällige Fehler offen eingestehen»

Franz Steinegger, Ex-Präsident der FDP, rät Philipp Müller gemäss einem Bericht der «Schweiz am Sonntag» zur Zurückhaltung. «Nichts überstürzen, einen Moment abtauchen, sich die Fakten ansehen, allfällige Fehler offen eingestehen», lauten seine Tipps. Steinegger hatte als Leiter eines Krisenstabes bei den Unwettern von 1977 und 1987 sehr überlegt gehandelt und deshalb den Übernamen «Katastrophen-Franz» erhalten.

Als er vom Unfall gehört habe, sei sein erster Gedanke gewesen: «Braucht es das jetzt auch noch?» sagt Steinegger zur «Schweiz am Sonntag». Müller dürfe sich jetzt nicht von Leuten ins Bockshorn jagen lassen, die das Pech für ihre Zwecke nutzen wollten. Er empfinde grosses Bedauern über den Unfall, umso mehr als sich die FDP «auf einer guten Schiene» befinde.

Bis zu drei Jahre Gefängnis wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete zur Klärung des Unfallhergangs eine Strafuntersuchung. Müller muss den Führerausweis vorläufig abgeben. Laut der «Sonntagszeitung» wird die Aargauer Kantonspolizei ihre Ermittlungen nicht vor den Wahlen abschliessen können.

Teil der Untersuchung wird auch sein, wie schwer die Verletzungen der jungen Frau sind. Wenn sie bleibende Schäden davonträgt, müsste Phillipp Müller sich wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verantworten, was eine Gefängnisstrafe bedeuten könnte. «Möglich sind bis zu drei Jahre Gefängnis – oder eine Geldstrafe», so Unternährer zum «Sonntagsblick».

Der FDP-Präsident war am Donnerstagabend mit seinem Auto aus noch ungeklärten Gründen in Lenzburg AG auf einer geraden Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten. Dabei kam es zu einer Kollision mit einer 17-jährigen Rollerfahrerin. Diese erlitt schwere Verletzungen, Müller blieb unverletzt.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch