Phishing hat nichts mit Angeln zu tun

Im Kampf gegen Cyberkriminalität müssen die Kantone zusammenarbeiten. Und die Spezialisten vereinen. Nur so hat die Schweiz eine Chance.

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Cybercrime – was für ein Modewort. Unternehmen rüsten auf dagegen, Versicherungen verkaufen Policen damit. Und die Politik? Sie benutzt es, um ihre Tatkraft unter Beweis zu stellen. Die Zürcher Regierung hat den Kampf gegen Internetkriminalität in ihre Legislaturziele aufgenommen, Justizministerin Jacqueline Fehr hielt ihre 180-Tage-Bilanz im neuen Cybercrime-Zentrum ab («eine Pionierleistung»). Und Verteidigungsminister Guy Parmelin stufte das Internet als eine der grössten Gefahren für die Schweiz ein, als er diese Woche den neuen sicherheitspolitischen Bericht vorstellte. Die Botschaft: Wir haben das im Auge. Wir kümmern uns darum.

In der Praxis sieht es anders aus. Spezialisten erzählen von Chefs, die nicht wissen, dass das Ver­schicken von gefälschten Köder-E-Mails «Phishing» genannt wird, von überlasteten Teams – und vom ewigen Föderalismus-Dilemma: Man ist sich nicht einig, wer was übernehmen soll. Seit zwei Jahren diskutiert eine Arbeitsgruppe über die Aufgabenteilung Bund/Kantone. Bisher ohne harte Resultate.

Google stampft in derselben Zeit ganze Standorte aus dem Boden. Und genau da liegt das grösste Problem: Dorthin wollen die besten Leute. Die Verwaltung als Arbeitgeberin konkurriert im Bereich IT-Sicherheit mit Unternehmen, die besser zahlen, schneller entscheiden und sich nicht um Uniformen scheren.

Nur schon aus diesem Grund ist es in der kleinen Schweiz nicht sinnvoll, dass jeder Kanton hoch spezialisierte Cyber-Ermittlungen übernimmt – es gibt schlicht zu wenig Experten dafür. Es gilt, zusammenzuarbeiten und die auffindbaren Fachkräfte an einem oder zwei Orten zu konzentrieren – sei es Zürich, Bern oder Genf. Die Kantone sollten in Kauf nehmen, einen Teil ihrer Strafverfolgungshoheit abzugeben.

Und dann müssen den politischen Slogans (weitere) Taten folgen. Es braucht Gelder für gut bezahlte Stellen, Rechner, Ausbildungen. Schulungen sind auch in den Chefetagen nötig. Nur so lässt sich ver­hindern, dass der Kommandant noch im Jahr 2020 glaubt, ­die Angestellten sprächen übers Angeln, wenn beim Pausenkaffee von Phishing die Rede ist.

Erstellt: 25.08.2016, 22:47 Uhr

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