Politik der kleinen Schritte

Sommarugas Vorschläge zur Frauenquote schränken die Unternehmensfreiheit nur unwesentlich ein.

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Tut sich da was? Jeder dritte freie Verwaltungsratssitz ist in den Schweizer Grosskonzernen zuletzt mit einer Frau besetzt worden. Bis auf eine Ausnahme diskutiert in den dreissig mächtigsten börsenkotierten Firmen ab sofort mindestens eine Verwaltungsrätin mit. Noch immer sind aber fast vier von fünf Mitgliedern Männer. In den Geschäftsleitungen kommt auf zehn Chefs meist höchstens eine Chefin. Dabei zeigen Untersuchungen weltweit, dass gemischte Teams produktiver, innovativer und letztlich erfolgreicher sind – auch zuoberst. Bisher bewegt sich da hierzulande zu wenig.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga will deshalb etwas nachhelfen. Ihre Geschlechterrichtwerte lösten im Nationalrat bei den Bürgerlichen am Donnerstag aber heftigen Widerstand aus. FDP und SVP votierten fast geschlossen gegen eine Frauenquote im revidierten Aktienrecht. Dass sich die Justizministerin am Ende durchsetzte, ist einem Zufallsmehr zu verdanken. Staatliche Eingriffe sind in der Privatwirtschaft nichts Erwünschtes. Kein Arbeitgeber lässt sich gern sagen, wen er fördern soll. Keine Arbeitnehmerin will einfach wegen einer Quote gewählt werden. Ohne äusseren Druck wird der Frauenanteil an den Schweizer Unternehmensspitzen aber nicht steigen. Die Zeit ­allein wird das Ungleichgewicht nicht beheben.

Keine Sanktionen vorgesehen

Sommaruga gibt sich bescheiden. Ihre Vorschläge sind so sanft, dass sie die unternehmerischen Freiheiten kaum einschränken. Erstens gewährt man den Firmen lange Übergangsfristen, bis sie auf zehn Verwaltungsräte mindestens drei Frauen und auf fünf Geschäftsleitungsmitglieder eine Chefin haben müssen. Zweitens sind keine Sanktionen vorgesehen. Säumige Konzerne müssen sich nur erklären. Und drittens soll die Frauenquote nach zehn Jahren wieder abgeschafft werden. Bis dann will man die Ziele erreicht haben.

Dass sich der Nationalrat selbst für solch weiche Schritte nur halbherzig begeistern kann, enttäuscht. Auch wenn der Ständerat der Vorlage später ebenfalls zustimmen sollte, hinkt die Schweiz hinterher. Andere Länder wie Norwegen oder Deutschland leben schon länger mit Frauenquoten. Der Wirtschaft haben diese nicht geschadet. Sie lösen aber ein Umdenken aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.06.2018, 08:29 Uhr

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