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Politik ist keine Aromatherapie

Beleidigtsein ist keine Haltung in der Politik, sondern eine Schwäche.

Von Harry Truman stammt die Empfehlung: «If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen.» Wer die Hitze nicht erträgt, sollte die Küche meiden. Womit wir mit einem Satz von der Vergangenheit in die Gegenwart und von Washington nach Bern gelangt sind. Dort benutzte der SVP-Nationalrat Roger Köppel seinen ersten Ratsauftritt am Dienstag, um Justiz­ministerin Simonetta Sommaruga wegen ihrer ­Ausländerpolitik zu attackieren. Und weil er keine Zwischentöne kennt und keinen Rückwärtsgang, sprach er mitleidlos, einseitig und ausfällig.

Dabei beleidigte er die Bundesrätin nicht als ­Person, setzte sie nicht in ihrer Funktion herab, ­verhöhnte nicht ihre Überzeugungen. Dennoch machte die Kritisierte ihm das schönste Geschenk: Sie verliess den Saal, die SP-Fraktion im Schlepptau. Moralische Empörung als Reaktion auf Kritik hat ­etwas Höfisches. Man wähnt sich dem Gegner überlegen und hält diesen nicht für satisfaktionsfähig. Mit einem solchen Parlamentarier, zeigt dieser Abgang, duelliert sich keine Bundesrätin. Nun hat sie trotzdem verloren.

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