«Mit gewissen Leuten gehe ich nicht mehr in den Lift»

Nach der Stalking-Affäre machen SVP-Vizepräsidentin Céline Amaudruz und Alliance-F-Co-Präsidentin Kathrin Bertschy Druck im Bundeshaus.

Parlamentarierinnen äussern sich zu den Vorwürfen gegen Yannick Buttet. (Video: Tamedia, SDA)

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Zwei Monate nach der Enthüllung der Weinstein-Affäre in den USA erreicht die Debatte um sexuelle Belästigung das Bundeshaus. Auslöser ist der Vizepräsident der CVP Schweiz, Yannick Buttet. Am Donnerstag wurde publik, dass Buttet von der Polizei gestellt wurde, als er eine ehemalige Geliebte vor ihrem Wohnhaus in Siders VS stalkte.

Als Reaktion auf den Fall Buttet ging noch gleichentags die SVP-Vizepräsidentin Céline Amaudruz an die Öffentlichkeit. Gegenüber den welschen Medien «24 Heures» und RTS berichtete die Nationalrätin, ein anderer Parlamentarier habe ihr gegenüber unlängst «eine unangemessene Bewegung» gemacht. Es sei nicht das erste Mal, das sie im Bundeshaus so etwas erlebe. Dieses Mal prüfe sie nun aber eine Strafanzeige.

Amaudruz ist, nach mehreren anonymen Aussagen betroffener Frauen, die erste Parlamentarierin, die namentlich über sexuelle Belästigung im Parlament redet. «Mit gewissen Leuten gehe ich schon gar nicht mehr in den Lift», sagte sie.

Überlegt sich, Strafanzeige gegen einen Parlamentarier-Kollegen einzureichen: SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz. Bild: Keystone

Auch die Präsidien des National- und Ständerats reagierten sofort auf die Buttet-Affäre. In einer schriftlichen Stellungnahme verurteilten die Ratspräsidenten Dominique de Buman (CVP) und Karin Keller-Sutter (FDP) sowie ihre vier Vizepräsidenten «jegliche Form sexueller Belästigung». Man werde prüfen, ob im Parlament «Massnahmen zur Prävention und zur Sensibilisierung» erforderlich seien.

Angst vor weiteren Enthüllungen

Laut einer gut informierten Person gingen die Präsidien in die Offensive, weil sie befürchten, der Fall Buttet könnte im Bundeshaus weitere Enthüllungen provozieren.

Kathrin Bertschy, Co-Präsidentin des Frauendachverbandes Alliance F, fordert, dass das Parlament eine «Anlaufstelle» einrichtet für Politiker und Parlamentsangestellte, die belästigt oder bedroht würden.

Neben Fällen von sexueller Belästigung denkt Bertschy auch an Hassmails aus der Bevölkerung und Stalking. «Mit solchen Fällen können Parlamentarierinnen oder andere exponierte Personen nicht zum Dorfpolizisten gehen», sagt die GLP-Nationalrätin. Darum brauche es eine Anlaufstelle, bei der sich betroffene Frauen, aber auch Männer beraten lassen könnten.

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Braucht es eine Anlaufstelle für Politiker und Parlamentsangestellte, die belästigt oder bedroht werden?




Erstellt: 01.12.2017, 06:14 Uhr

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