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Polizisten feierten an Milieu-Party – Chilli's wieder geöffnet

Nicht nur im Langstrassen-Nachtclub Chilli's sollen Beamte der Sittenpolizei mangelnde Distanz zum Milieu an den Tag gelegt haben. Im umstrittenen Lokal herrscht derweil wieder Normalbetrieb.

Stand bisher im Zentrum der Affäre: Der Nachtclub Chilli's im Zürcher Langstrassenquartier.
Stand bisher im Zentrum der Affäre: Der Nachtclub Chilli's im Zürcher Langstrassenquartier.
Doris Fanconi / TA

Die Korruptions-Affäre bei der Zürcher Sittenpolizei ist laut Recherchen der «Sonntagszeitung» gravierender als bislang bekannt. Die Staatsanwaltschaft untersucht auch einen Vorfall, bei dem sich mehrere Beamte der Sittenpolizei von Personen aus dem Umfeld des Sexmilieus zu einem Festgelage überreden liessen. Die Ermittler observierten ihre Kollegen von der «Sitte» vor einigen Wochen am Oktoberfest auf dem Zürcher Bauschänzli. Hierhin wurden sie laut Untersuchungsakten von Milieu-Personen zu Gratisbier und Sauerkraut eingeladen.

Bislang waren nur mutmassliche Verfehlungen der Beamten im Zusammenhang mit dem Nachtclub Chilli's bekannt geworden. An der Einladung zum Bierfest war laut «Sonntagszeitung» der Wirt des Zürcher Milieulokals Schweizerdegen beteiligt. Gemäss den Untersuchungsakten sollen die Zürcher Sittenpolizisten nicht nur im Chilli's, sondern auch in seinem Lokal gratis Getränke und Essen erhalten haben. Im Gegenzug traten die Polizisten für den Wirt als Assistenten bei Milieu-Streitigkeiten auf.

Hauptverdächtige sind zwei langjährige Beamte

Im Zentrum der Ermittlungen stehen zwei langjährige Sittenpolizisten. Das bestätigen zwei gut informierte Personen gegenüber der «NZZ am Sonntag». Bei den beiden Hauptbeschuldigten der Affäre handelt es sich um Beamte, die seit mindestens 2006 für die Abteilung «Milieu- und Sexualdelikte» der Zürcher Stadtpolizei arbeiten. Sie sollen im Milieu geheime Polizei-Informationen verraten und dafür Sex, Essen und Getränke erhalten haben.

Der Stripclub Chilli's verfügte laut dem Bericht über eine offizielle Bewilligung des Kantons, um Stripperinnen aus nichteuropäischen Staaten anzustellen. «Der Betrieb hat die Vorgaben des Bundesamts für Migration erfüllt. Deshalb haben wir dem Chilli's die Bewilligung für Cabaret-Tänzerinnen erteilt», sagt Can Arikan vom Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit der «NZZ am Sonntag». Dass das Chilli's vom Kanton eine Bewilligung erhalten hat, erstaunt wiederum den Verband der Zürcher Nachtklubs Asco. «Ich habe mich schon lange gewundert, wie lange die Polizei da noch zuschauen will», sagt dessen Präsident Angelo Pfister der «NZZ »am Sonntag.

Sex-Club Chilli's hat wieder geöffnet

Nach der Razzia herrscht im Chilli's jedoch bereits wieder Normalbetrieb: Gemäss einem Bericht des TV-Senders Tele Top hat der Nachtclub seine Tore seit Freitagabend wieder geöffnet. «Es gibt keine rechtlichen Grundlagen, um den Club weiter geschlossen zu halten», erklärt Marco Bisa, der Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Alfredo Borgatte dos Santos (ehemals Alfredo Lardelli), der nach eigenen Angaben als Rechtsberater des Lokals fungiert, dass die derzeit angestellten Frauen am 30. November ihren letzten Arbeitstag hätten. Sie würden dann durch neue Arbeitnehmerinnen ersetzt.

Frauen als Leidtragende

Regula Rother, Leiterin der Zürcher Stadtmission, stört sich daran, dass nun vor allem die Frauen die Leidtragenden sind: Durch die Schliessung würden rund 30 Frauen arbeits- und zum Teil obdachlos. Die Prositutierten und Tänzerinnen können nicht wie in anderen Branchen üblich Arbeitslosengeld beziehen, sagt Rother gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Kritisiert wird, dass man bei der von langer Hand vorbereiteten Aktion, nicht auch an ein Auffangnetz für die Prostituierten mit entsprechender Hilfe gedacht hat. Laut dem Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer lief die Aktion unter der Verantwortung der Staatsanwaltschaft.

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