Anstieg der Prämien gebremst, Entlastung für Junge

Die Krankenkassenprämien dürften 2019 um weniger als 3 Prozent steigen. Für 19- bis 25-Jährige sinken sie um bis zu 100 Franken.

Viele Junge dürften laut Santésuisse von einer Prämiensenkung profitieren. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

Viele Junge dürften laut Santésuisse von einer Prämiensenkung profitieren. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Krankenkassenprämien in der Schweiz dürften 2019 durchschnittlich um weniger als drei Prozent ansteigen. Viele junge Erwachsene werden zudem von einer Prämiensenkung profitieren können, wie Santésuisse mitteilt.

Ab 2019 müssen Krankenkassen für junge Erwachsene weniger Risikoausgleich zahlen und viele Kassen geben diesen Vorteil an die Versicherten weiter. Deshalb sinken für 19- bis 25-Jährige ab kommendem Januar die Prämien um monatlich bis zu 100 Franken. Dies sagte die Direktorin des Krankenkassenverbands Santésuisse, Verena Nold, am Mittwoch in Bern. Im Gegenzug dürften die Prämien für Erwachsene steigen.

Junge gehen in der Regel weniger zum Arzt und kosten die Krankenkassen deshalb auch weniger. Bislang haben die Kassen einen Grossteil der Prämienzahlungen junger Erwachsener für den Risikoausgleich verwendet, mit dem die Kosten für ältere Versicherte mitfinanziert werden. Dies ändert sich nun.

Ab 2019 müssen Krankenkassen für junge Erwachsene weniger Risikoausgleich zahlen. Der Nationalrat während der Frühlingssession 2018. Bild: Peter Schneider/Keystone

Dieses Frühjahr hatte das Parlament den Risikoausgleich für junge Erwachsene halbiert. Ab 2019 wird das neue Gesetz nun umgesetzt und die Jungen profitieren von niedrigeren Prämien.

Verband: Mehr als drei Prozent ohne Korrektur

Der Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer warnt weiterhin vor steigenden Kosten. Erfolge keine jetzt Korrektur, sei im kommenden Jahr mit einem Kostenanstieg von über drei Prozent zu rechnen.

Für das laufende Jahr zeichnet sich ein geringerer Kostenanstieg bei der obligatorischen Krankenpflegeversicherung ab als in den Vorjahren, stellt Santésuisse fest. Insgesamt werde aber das Pro-Kopf-Wachstum aller Bruttoleistungen leicht höher sein als 2017.

Gebühr für Bagatellfälle im Notfall

Die aktuelle Kostenentwicklung bedeute damit «eine gewisse Atempause». Laut dem Branchenverband muss diese genutzt werden, um Massnahmen zu ergreifen, die das Kostenwachstum langfristig spürbar dämpfen.

Als mögliche Lösungen schlägt Santésuisse unter anderem vor, durch einen jährlichen Auslandpreisvergleich für alle Medikamente deren Preise zu senken. Im ambulanten Bereich könnten Pauschaltarife eingeführt werden und Spitäler sollten sich zugunsten höherer Qualität vermehrt spezialisieren. Ausserdem sollte die Selbstverantwortung der Versicherten gestärkt werden, indem die Mindestfranchise massvoll erhöht und eine Gebühr für Bagatellfälle im Spitalnotfalldienst eingeführt würden.

Gesundheitskosten 2017 unter langjährigem Schnitt

Im Jahr 2017 seien die Gesundheitskosten pro Person in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung mit einem Anstieg von 1,7 Prozent unter dem langjährigen Schnitt geblieben, schreibt Santésuisse weiter.

Die Pro-Kopf-Kosten seien dabei bei den stationären Spitalleistungen um 3,1 Prozent gesunken. Erklären lässt sich dies durch einen höheren Kostenanteil der Kantone und gleichzeitig würden immer mehr Leistungen ambulant, statt stationär erbracht.

Erfreulich ist nach Ansicht von Santésuisse auch, dass die Zahl der Konsultationen in Arztpraxen nahezu konstant geblieben ist. Weil aber die Kosten pro Konsultation zugenommen haben, resultierte bei den ambulant tätigen Ärzten 2017 ein Kostenanstieg um 2,7 Prozent. Der Verband kritisiert, dass die fehlende Preisüberprüfung der Medikamente sich in einem Anstieg der Medikamentenkosten pro Kopf um 4,6 Prozent niedergeschlagen habe.

(oli/sda)

Erstellt: 19.09.2018, 11:08 Uhr

Nationalrat fordert Definition des Notfallbegriffs

Wer seine Krankenkassenprämien nicht bezahlt hat, wird in manchen Kantonen nur in Notfällen medizinisch versorgt. Nun sollen die Kantone die Notfallbehandlungen umschreiben müssen. Das fordert der Nationalrat.

Er hat am Mittwoch eine Motion seiner Gesundheitskommission stillschweigend angenommen. Stimmt der Ständerat ebenfalls zu, kann der Bundesrat eine Gesetzesänderung ausarbeiten. Dieser ist ebenfalls einverstanden.

Die Kommission fordert eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes. Sprecherin Bea Heim (SP/SO) wies darauf hin, dass es bereits einen Todesfall wegen unterlassener Hilfe gegeben habe. Kantone mit schwarzen Listen säumiger Prämienzahler müssten den Notfallbegriff umschreiben und so Klarheit schaffen.

Bei der Definition sollen sich die Kantone am Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen orientieren. Dieses fasse die Definition einer Notfallbehandlung wesentlich weiter als manche Krankenkassen, gab Heim zu bedenken.

Das Versicherungsgericht urteilte über den Fall einer Frau, die für eine Entbindung ins Spital musste. Weil sie zuvor ihre Prämien nicht bezahlt hatte, weigerte sich die Krankenkasse, die Kosten dafür zu übernehmen.

Das St. Galler Versicherungsgericht urteilte, die Entbindung sei zum Zeitpunkt des Eintritts ins Spital notwendig und unaufschiebbar gewesen. Es habe sich dabei um eine Notfallbehandlung gehandelt.

Grundsätzlich hielt das Gericht fest, eine zu enge Auslegung des Notfallbegriffs würde das Ziel der obligatorischen Krankenversicherung und damit die Gewährleistung einer umfassenden Grundversorgung für alle aushöhlen. In Fällen, «in denen Medizinalpersonen eine Beistandspflicht zukommt», sei deshalb von einer Notfallbehandlung auszugehen.

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