Priester von Sedrun in U-Haft – er soll eine Frau belästigt haben

Die Bündner Gemeinde ist nach wenigen Jahren zum zweiten Mal in einen Kirchenskandal verwickelt. Diesmal geht es um ein Sexualdelikt.

Sedrun im Bündner Oberland, aufgenommen im Sommer 2005.

Sedrun im Bündner Oberland, aufgenommen im Sommer 2005. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Gläubigen sind enttäuscht», sagt Arthur Caduff. Er ist Präsident der Pfarrei Tujetsch, eine elf Dörfer umfassende politische Gemeinde im Bündner Oberland. Enttäuscht einerseits vom Priester, der sich nicht korrekt verhalten haben soll. Hinzu kommt, dass die Gottesdienste ausfallen, nachdem der Priester letzte Woche verhaftet wurde. Caduff, der hauptberuflich einen Coiffeursalon betreibt, sorgt nun dafür, dass wöchentlich mindestens ein Gottesdienst stattfindet, bis die Nachfolge geregelt ist. Pensionierte Priester aus Nachbargemeinden würden sich zur Verfügung stellen, sagt er.

Die Verhaftung folgte auf eine Anzeige des Bischofs von Chur, Vitus Huonder. Dies berichteten Radiotelevisiun Svizra Rumantscha sowie die «Südostschweiz». Laut der Bündner Staatsanwaltschaft geht es um Vorwürfe aus dem Sexualstrafbereich. Informelle Quellen bestätigen dies: Betroffen sei eine erwachsene Frau, die sagt, sie sei vom Priester belästigt worden, und die sich beim Bischof gemeldet hat. Die Verantwortlichen der Pfarrei hatte sie nicht informiert, wie Präsident Arthur Caduff sagt. «Wir sind aus allen Wolken gefallen, als der Priester verhaftet wurde.» Das Zwangsmassnahmengericht habe eine maximale Untersuchungshaft von drei Monaten angeordnet, schreibt die «Südostschweiz». Man geht also davon aus, dass der Priester fliehen oder etwas verstecken könnte, oder dass die Gefahr einer Wiederholungstat besteht.

Andere Kulturkreise

Der Mann stammt aus Nigeria, in Sedrun war er seit Frühling 2017 angestellt. Davor amtierte er in einer Diözese bei Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Dort war er Mitglied eines Gebetskreises, wie es sie in Deutschland häufig gibt. Die Gebetskreise gelten als rechts-katholische Vereinigungen. Dass er im Bistum Chur aufgenommen wurde, ist laut Kennern der Kirche kein Einzelfall. Bischof Vitus Huonder nehme immer wieder Priester aus rechts-katholischen Gruppierungen in seiner Diözese auf. Gewählt wird ein Priester von der Kirchgemeinde, doch er braucht danach den Segen des Bischofs, um sein Amt antreten zu können.

Priester aus afrikanischen Ländern und auch aus Indien wurden in den letzten Jahren vermehrt in Kirchgemeinden der Schweiz angestellt. Das hat auch mit dem Mangel an einheimischen Priestern zu tun, und bringt die Schwierigkeit mit sich, dass in den Kulturkreisen, aus denen sie stammen, teilweise anders mit Regeln umgegangen wird. Zum Beispiel mit dem Zölibat, das je nach Land oder Kontinent strenger oder lockerer gehandhabt wird.

Wieder Sedrun

Wie es in Sedrun nun weitergeht, ist unklar. Das Bistum Chur will demnächst informieren, doch wann und wie, das wisse er noch nicht, sagt Sprecher Giuseppe Gracia. Das Bistum sagt lediglich, dass eine Strafanzeige des Bischofs zur Verhaftung des Pfarradministrators von Tujetsch geführt habe. Mit Blick auf das laufende Verfahren werde nicht mehr gesagt. Die Pfarrei Tujetsch und das Bistum Chur müssen das weitere Vorgehen koordinieren – die Kirchgemeinde ist zivilrechtliche Arbeitgeberin des Priesters, doch nach kirchlichem Recht muss auch das Bistum entscheiden, ob er angestellt bleiben kann oder nicht.

Für Sedrun, Hauptort der politischen Gemeinde Tujetsch, ist es der zweite Skandal um den örtlichen Priester in wenigen Jahren. Das Dorf wurde 2010 landesweit bekannt wegen des Durchstichs am Gotthard-Basistunnel, zu dem in Sedrun ein Zugangsstollen hinunterführt. Drei Jahre später gelangte der damalige Priester in die Schlagzeilen wegen seines politischen Engagements auf einem religiösen Internetportal. In der Debatte um die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs wurden Bischöfe mit Hakenkreuzen versehen und so auf dem TV-Portal gezeigt. Das Bistum Chur hat den Priester damals abgesetzt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.05.2018, 11:46 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Sweet Home Schweizer Gartenparadiese

Tingler Spuren des Fortschritts

Paid Post

Bereit für die Ferien?

Die Ferien sind gebucht, die Vorfreude gross – doch was ist mit Impfungen oder Medikamenten? Mit einer Reiseberatung ist man sicher gut gewappnet.

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...