Prominenter Abgang bei der CVP

Generalsekretärin Béatrice Wertli hört eineinhalb Jahre vor den nationalen Wahlen auf. Gab es Probleme mit dem Parteichef?

Bundesrätin Doris Leuthard, Parteipräsident Gerhard Pfister und Noch-Generalsekretärin Béatrice Wertli unterhalten sich an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz in Bern. Bild: Peter Schneider / Keystone

Bundesrätin Doris Leuthard, Parteipräsident Gerhard Pfister und Noch-Generalsekretärin Béatrice Wertli unterhalten sich an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz in Bern. Bild: Peter Schneider / Keystone

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Nach fast sechs Jahren nimmt mit Béatrice Wertli, die Generalsekretärin der CVP, den Hut. Dies teilte die Partei heute per Communiqué mit. Wertli habe gestern das Parteipräsidium informiert, dass sie das Generalsekretariat im Herbst 2018 verlassen werde. Der Weggang erfolge aus persönlichen Gründen.

Die Aargauerin wurde Ende 2012 vom damaligen Parteipräsidenten Christophe Darbellay in die Parteizentrale geholt. Sie folgte auf Tim Frey, der nach drei Jahren bereits wieder zurücktrat. Offenbar wurde dem Politwissenschaftler das schlechte Abschneiden bei den Wahlen von 2011 zum Verhängnis. «Erstmals haben wir nun mit ihr eine Frau in diesem Amt», freute sich Darbellay bei der Bekanntgabe von Wertli als neuer Generalsekretärin.

Damit kehrte Wertli zu ihrer früheren Wirkungsstätte zurück, wo sie von 2001 bis 2005 als Kommunikationschefin der CVP Schweiz arbeitete. Danach wirkte sie als Beraterin einer Berner Kommunikationsagentur und war zudem Co-Fraktionspräsidentin der BDP/CVP-Fraktion im Stadtberner Parlament. Im Unterschied zu ihrem eher analytisch begabten Vorgänger lagen ihr politische Kampagnen mehr. Sie war nationale Wahlkampfleiterin für die Wahlen 2015 und führte den Strategieprozess #CVP2025, der mit der Verabschiedung des neuen Leitbilds am Parteitag in Genf letzten Sommer abgeschlossen wurde.

CVP bedauert Rücktritt

Ihr Abgang wird innerhalb der Partei bedauert. Das zeigen nicht nur die zahlreichen Reaktionen auf Twitter. «Ich bin sehr überrascht, betroffen und bedauere es sehr, da ich Béatrice Wertli sehr geschätzt habe», sagt etwa der Obwaldner CSP-Nationalrat Karl Vogler. Auch Bauernverbands-Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter meint: «Es ist schade.» Es sei aber auch nachvollziehbar, dass jemand nach fast sechs Jahren in dieser Position eine neue Chance ergreifen wolle. «Das ist auch in anderen Organisationen nicht aussergewöhnlich.»

Im April 2016 folgte auf den als gemässigt geltenden Walliser Darbellay der rechts stehende Zuger Nationalrat Gerhard Pfister als neuer CVP-Präsident. Schnell machte heute in CVP-Kreisen das Gerücht die Runde, dass womöglich Spannungen zwischen dem Präsidenten und seiner Generalsekretärin Ursache für den Rücktritt sein könnten. Offiziell wollte dies aber niemand bestätigen. Pfister selbst erklärt, dass er den Abgang von Béatrice Wertli «sehr bedauere». Zu angeblichen Spannungen sagt er: «Auch wenn immer wieder solche Probleme kolportiert werden, heisst das nicht, dass sie auch wahr sind.» Es fällt immerhin auf, dass der ansonsten fleissige Twitterer sich bis heute Nachmittag weder explizit zum Rücktritt seiner Generalsekretärin geäussert, noch wie sonst üblich für jemanden in seiner Funktion als Parteichef entsprechende Tweets favorisiert oder retweetet hatte. Das kann sich natürlich jeden Moment ändern.

Wertli: «Nichts Dramatisches»

Wertli selbst möchte ihre persönlichen Gründe für den Rücktritt nicht weiter kommentieren. Sie sagt nur: «Es ist nichts Dramatisches vorgefallen.» Auf Pfister angesprochen, erklärt sie: «Schauen Sie, ich habe bereits dreimal in verschiedenen Funktionen auf dem CVP-Generalsekretariat gearbeitet und damit fünf Parteipräsidenten erlebt.» Ihr Engagement für die CVP sei deshalb immer gleich gross gewesen. Mit der durchzogenen Bilanz der Kantonalwahlen der letzten Monate habe es aber «nichts» zu tun.

Dass die Generalsekretärin eineinhalb Jahre vor den nächsten nationalen Wahlen zurücktritt, ist zumindest nicht optimal. «Eine solche personelle Situation vor den Wahlen ist sicherlich nicht das, was man sich wünschen würde», sagt denn auch Karl Vogler. Sein Ratskollege Ritter sieht hingegen kein Problem. Für die Wahlen sei in erster Linie der Parteipräsident zuständig, während sich das Generalsekretariat um die Administration kümmere. Und auch Pfister winkt ab: «Bei der SP und der SVP gab es kürzlich auch entsprechende personelle Veränderungen.» Man habe die Wahlstrategie bereits bestimmt, ausserdem bleibe Wertli ja noch sechs Monate im Generalsekretariat.

Laut der CVP-Pressemitteilung werde die Stelle der Generalsekretärin ausgeschrieben.

Erstellt: 29.03.2018, 18:04 Uhr

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