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Pünktlichkeit vor Sicherheit?

Die Lokführer des Glacier Express haben kurz vor dem verheerenden Unfall laut «Tagesschau» ein brisantes Schreiben erhalten.

Menschliches Versagen: Verunglückter Glacier Express bei Fiesch VS.
Menschliches Versagen: Verunglückter Glacier Express bei Fiesch VS.
Keystone

In dem Brief der Matterhorn-Gotthard-Bahn, die auch den Glacier Express betreibt, vom 21. Juni 2010 steht, dass bei Gleisverwerfungen grundsätzlich nicht langsamer gefahren werden soll. Dies berichtete die «Tagesschau» auf SF1 in ihrer 18-Uhr-Ausgabe. An 10 Stellen gebe es im Kanton Wallis Gleisverwerfungen, und die Lokomotivführer seien angehalten, dort nicht zu bremsen, um die «Fahrplanstabilität» zu gewährleisten, wie es im Bericht heisst. Ob «Pünktlichkeit vor Sicherheit» komme, wird rhetorisch gefragt.

Dieses aufgetauchte Papier stütze die These anonymer Quellen, die gegenüber der Zeitung «Walliser Bote» von enormen Zeitdruck der Lokführer berichtet hatten, schreibt die «Tageschau» auf ihrer Homepage. Ein Sprecher des Eisenbahnerverbandes sagt: «Das wirft ein schiefes Licht auf das Unternehmen.»

Wird die Strecke vom Bund geprüft?

Sicherheitsprobleme schienen den Bahnverantwortlichen bekannt gewesen zu sein, wie es auf der Internetseite sf.tv weiter heisst. Ein Punkt in der internen Weisung besage nämlich, dass schlechte Schienenzustände vermehrt gemeldet werden sollten. Zudem seien prekäre Stellen schneller zu reparieren.

Das Bundesamt für Verkehr nahm gegenüber der «Tagesschau» insofern Stellung, als dass das interne Dokument studiert und danach geschaut werde, ob die Unglücksstrecke überprüft werden müsse.

Lokführer hätten gefragt

Helmut Biner, Sprecher der Matterhorn-Gotthard-Bahn sagte, dass sich die interne Weisung, grundsätzlich nicht langsamer zu fahren, auf eine Frage der Lokführer bezüglich der Speisewagen beziehe.

Die Lokführer hätten – so berichtet die «Tagesschau – wissen wollen, ob Züge mit Speisewagen an Stellen mit Gleisverwerfungen noch langsamer als bereits angeordnet fahren müssten.

Zu früh beschleunigt

Das schwere Bahnunglück, bei welchem am 23. Juli im Wallis 40 Personen verletzt und eine 64-jährige Japanerin getötet wurden, ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Der Lokführer hatte zu früh beschleunigt, wie die Behörden am Freitag vor den Medien in Brig mitteilten.

Laut Walter Kobelt von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) wären auf dem betreffenden Abschnitt 35 Kilometer pro Stunde erlaubt gewesen. Erst nachdem der letzte Wagen die nach der Unfallkurve montierte Geschwindigkeitstafel von 55 km/h passiert habe, dürfe beschleunigt werden. Im Falle des verunfallten «Glacier Express» drückte der Lokführer rund 30 Meter vor der besagten Tafel aufs Gas.

«Vor den Verwerfungen entgleist»

Daraufhin fing der letzte Wagen an zu kippen und touchierte zwei Pfosten. «Die Zentrifugalkraft war schliesslich so gross, dass der letzte Wagon entgleiste und zwei weitere mit sich riss», sagte Kobelt. Warum der Lokführer vorzeitig beschleunigte, ist nicht geklärt. Laut dem UUS-Experten kann sich der Mann nicht mehr daran erinnern.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse können Witterungseinflüsse, Veränderungen des Geländes, fehlerhaftes Rollmaterial sowie Schäden in den Geleisen als Unfallursachen ausgeschlossen werden. Nach dem Unfall waren Gerüchte aufgekommen, entdeckte Deformationen der Schienen könnte für das Unglück verantwortlich sein. «Da der Zug vor den Verwerfungen entgleiste, ist irrelavant, ob diese schon vor dem Unfall bestanden haben oder nicht», sagte Kobelt dazu.

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