Rabiater Polizeieinsatz bei Sommaruga-Rede

Bei der Bundesfeier in Muttenz BL hat die Polizei Kontrollen durchgeführt. Gemäss Zeugen seien Besucher dabei gar gefesselt worden.

Kritik an der Polizei: Bei Simonetta Sommarugas Besuch in Muttenz ist es zu unangenehm empfundenen Kontrollen gekommen. (1. August 2018)

Kritik an der Polizei: Bei Simonetta Sommarugas Besuch in Muttenz ist es zu unangenehm empfundenen Kontrollen gekommen. (1. August 2018) Bild: www.twitter.com

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Als prominente Rednerin war SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga zur 1.-August-Feier in Muttenz eingeladen worden. Weil die Kantonspolizei Baselland im Vorfeld Hinweise erhalten hatte, dass sowohl Rechts- als auch Linksextreme auftauchen würden, erhöhte sie die Sicherheitskontrollen. «Was genau diese vorhatten, wussten wir auch nicht. Doch die Hinweise waren so konkret, dass wir das Sicherheitsdispositiv hochfuhren», erklärte Polizeisprecher Adrian Gaugler gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung».

Dass die Ministerin mit dem heiklen Asyldossier nicht nur Freunde hat, ist nicht neu. Gemäss Quellen der Zeitung war es die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), welche die Polizei für den Anlass in Muttenz stutzig gemacht hatte. Diese Gerüchte hatten zur Folge, dass auch Antifaschisten scheinbar die Absicht hatten, die Bundesfeier mit Sommaruga in Muttenz aufzusuchen. Dass Rechts- und Linksextreme aufeinanderstossen würden, sei eines der möglichen Szenarien gewesen, mit denen man habe rechnen müssen, sagte Gaugler.

«Wie Schwerverbrecher an die Wand gestellt»

Die Sicherheitskräfte pickten am Abend kurz vor der Rede 15 Personen aus dem Publikum heraus, die ihnen als Vertreter von Extremistengruppen verdächtig erschienen. Um welche Kriterien es sich dabei handelte, wollte Gaugler nicht verraten. Laut Blick.ch wurden die abgeführten Personen teilweise mit Kabelbindern gefesselt und in einem Polizeiwagen abgeführt. Ein Erlebnisbericht auf Barfi.ch bestätigt diese Beobachtung. «Die kontrollierten Festbesucher wurden wie Schwerverbrecher an eine Wand gestellt, mussten ihre Taschen leeren, die Wertsachen wurden in Plastikbeutel abgefüllt. Jeder Kontrollierte wurde mit einer Nummer auf dem Arm markiert. Einigen wurden mit Kabelbinder die Hände gefesselt – grundlos.» Väter hätten ihre Kinder alleinlassen müssen.

Nach rund einer Viertelstunde Wartens in heissen, stickigen Polizeiwagen seien die kontrollierten Personen wieder freigelassen worden. «Ich muss Sie enttäuschen, leider kann ich mein Versprechen nicht einhalten, Sie auf den Posten mitzunehmen», habe ein hämischer Kommentar eines Polizisten gelautet. Der Einsatzleiter habe schliesslich erklärt, warum die Männer und Frauen festgehalten worden seien. «Wir haben einen anonymen Tipp erhalten, dass es zu Unruhen von Extremisten kommen wird. Politisch sowohl von links als auch von rechts. Sie haben alle in das beschriebene Schema gepasst», lautete die Erklärung des Beamten.

Polizei nahm Angelegenheit ernst

Auf die Vorwürfe, dass die Kontrolle etwas gar unzimperlich vorgefallen sei, erklärte Gaugler: «Es war fast nicht zu vermeiden, dass wir Personen kontrollierten, die nichts mit unseren Hinweisen zu tun hatten.» Und wenn etwas passiert wäre und man hätte nichts unternommen, hätte es geheissen, die Polizei ignoriere Hinweise. Deshalb habe die Polizei die Angelegenheit ernst genommen. Sommaruga stünde im Kreuzfeuer. Es ginge schliesslich um die Flüchtlingsthematik, fügte Gaugler bei.

Die Feier ging ansonsten problemlos über die Bühne, die Bundesrätin dürfte vom Polizei-Intermezzo kaum etwas mitbekommen haben. Weder Rechts- noch Linksextreme seien vor Ort gewesen, schreibt die «Basellandschaftliche Zeitung». Es habe weder Anzeigen noch Festnahmen gegeben. (fal)

Erstellt: 02.08.2018, 10:35 Uhr

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