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Rauchverbot: Auch die Mehrheit der Nichtraucher war dagegen

59 Prozent der Nichtraucher haben bei der Abstimmung im September die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» abgelehnt. Einen deutlichen Unterschied im Stimmverhalten gab es zwischen Jung und Alt.

Von den Stimmberechtigten, die selber rauchen, lehnten 92 Prozent das striktere Rauchverbot ab: Ein Raucherin in Zürich. (Archiv TA)
Von den Stimmberechtigten, die selber rauchen, lehnten 92 Prozent das striktere Rauchverbot ab: Ein Raucherin in Zürich. (Archiv TA)

Bei der Abstimmung über die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» sind die Fronten klar zwischen Rauchern und Nichtrauchern verlaufen. 92 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die selbst rauchen, lehnten ein strikteres Rauchverbot ab.

Zwar lehnte auch die Mehrheit der Nichtraucher die Initiative ab. Mit 59 Prozent lag der Nein-Anteil in dieser Gruppe aber tiefer als in der Gesamtbevölkerung, wie aus der neu veröffentlichten Vox-Analyse des Forschungsinstituts Gfs Bern zur eidgenössischen Abstimmung hervorgeht. Die Passivrauch-Initiative war am 23. September 2012 von 66 Prozent der Stimmbürger verworfen worden.

Mieter waren gegen Wohninitiative

Auch bei der Abstimmung über die Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» war die persönliche Situation ausschlaggebend für das Abstimmungsverhalten: 55 Prozent der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer stimmten dem Anliegen zu, während 63 Prozent der Mieterinnen und Mieter es ablehnten. In der Volksabstimmung wurde die Initiative mit 53 Prozent abgelehnt.

Kaum eine Rolle spielte gemäss den Erkenntnissen der Meinungsforscher hingegen das Alter der Stimmenden: Die Zustimmung zur Initiative war unter älteren Bürgern nicht signifikant höher als unter jüngeren.

Individuelle Freiheit

Im Gegensatz dazu war das Stimmverhalten bei der Passivrauch-Initiative stark vom Alter beeinflusst: Bei den unter 40-Jährigen war die Zustimmung mit rund 43 Prozent am höchsten. Dagegen lehnten mehr als drei Viertel der über 70-Jährigen die Initiative ab. Ausserdem erhielt die Vorlage in der Romandie und im Tessin, wo mehrheitlich strengere Vorschriften gelten, mehr Zustimmung als in der Deutschschweiz.

Entscheidend für die Ablehnung der Initiative war die Wertschätzung der individuellen Freiheit unter den Stimmbürgern. Eine grosse Mehrheit der Personen, welche ein Nein einlegten, nannte die Furcht vor einer Einschränkung der individuellen Freiheit als Grund für ihren Entscheid. Auch die Ablehnung exzessiver Verbote war ein Motiv. Bei den Befürwortern wurde der Schutz der Gesundheit am häufigsten als Argument für die Initiative genannt.

Schwache Mobilisierung

Generell stuften die Befragten die drei Vorlagen als relativ unwichtig ein. Dies dürfte die vergleichsweise tiefe Stimmbeteiligung von rund 42 Prozent erklären. Offenbar konnten die Parteien ihre Wähler schlecht mobilisieren. Dagegen war die Beteiligung unter den Bürgern, die sich mit keiner Partei verbunden fühlen, höher als sonst.

Als wichtigste der drei Vorlagen erachteten die Stimmbürger den Verfassungsartikel zur Musikförderung, der in der Abstimmung mit einem Ja-Anteil von 73 Prozent am wenigsten umstritten war.

Unter jenen Bürgern, die eine bestimmte Partei bevorzugen, wichen auffallend viele von der Parole dieser Partei ab. So stellte sich sowohl bei der Initiative «Sicheres Wohnen im Alter» als auch beim Verfassungsartikel zur Musikförderung eine Mehrheit der befragten FDP-Sympathisanten gegen die Parteiparole. Die Passivrauch- Initiative wiederum wurde von einer Mehrheit der SP-Wähler abgelehnt, obwohl die Partei sie offiziell unterstützte.

Die Analyse basiert auf einer Umfrage im Nachgang zur Abstimmung. Insgesamt befragte Gfs Bern 1501 Personen aus allen drei Sprachregionen. Die Daten wurden durch die Abteilung für Politikwissenschaft der Universität Genf ausgewertet.

(SDA)

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