Rechte Politiker sind in Schweizer Medien überrepräsentiert

Zeitungen schenken Exponenten von SVP und FDP grössere Beachtung, als deren Parteistärke erwarten liesse. Das zeigt eine computergestützte Analyse.

Über die stärkste Fraktion im Bundesparlament, die SVP, wird am meisten geschrieben. Foto: Keystone

Über die stärkste Fraktion im Bundesparlament, die SVP, wird am meisten geschrieben. Foto: Keystone

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Über Parlamentarier der SVP wird in der Schweizer Presse mit Abstand am häufigsten berichtet. Das zeigt eine computergestützte Analyse von 38'411 Artikeln aus neun Tageszeitungen. Bereits in einer früheren Auswertung konnte die «SonntagsZeitung» zeigen, dass Parlamentarierinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen in den Medien deutlich unterrepräsentiert sind. Basierend auf den gleichen Daten lässt sich nun auch zeigen, wie ausgewogen die Tageszeitungen über die National- und Ständeräte der verschiedenen Parteien berichten.

Dass über die SVP am häufigsten geschrieben wird, ist wenig erstaunlich, da sie auch die grösste Fraktion im Bundesparlament stellt. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch, dass Zeitungen über Politiker der SVP und FDP deutlich häufiger berichten, als aufgrund von deren Stärke im Parlament zu erwarten wäre. Sprich: Sie sind in den Medien überrepräsentiert.

Rechtsdrall in allen Zeitungen

Die SVP und die FDP bekommen also in den Tageszeitungen eine grössere Plattform als andere Parteien, um als Meinungsmacher die öffentliche Debatte auf Bundesebene zu prägen. Im Gegensatz dazu scheinen Exponenten von SP und CVP schwächer von den Medien beachtet zu werden.

Besonders interessant wird der Vergleich über die verschiedenen Tageszeitungen hinweg. Dabei zeigt sich, dass die Bevorzugung von SVP und FDP über alle Tageszeitungstitel hinweg stattfindet.

Die teilweise starken Ausschläge nach oben oder unten lassen sich meistens mit der Stärke einer Partei im Stammgebiet einer Zeitung erklären. Besonders deutlich ist dies zum Beispiel im Falle der BDP, die 2015 auf einen nationalen Wähleranteil von 4,1 Prozent kam, in der Berner Wählergunst jedoch fast 12 Prozent erreichte. Deshalb ist die Berichterstattung in der «Berner Zeitung» wohl fast doppelt so hoch, wie es aufgrund der Vertretung im nationalen Parlament zu erwarten wäre.

Im Umkehrschluss ist die BDP in der Berichterstattung von «Basler Zeitung», «Luzerner Zeitung» und «St. Galler Tagblatt» deutlich unterrepräsentiert, da sie dort viel weniger stark verankert ist.

Bei der Berichterstattung des «Tages-Anzeigers» fällt auf, dass die Parlamentarier der Grünliberalen Partei deutlich überrepräsentiert sind. Dies ist naheliegend, da die Partei in Zürich einen höheren Wähleranteil hat als auf Bundesebene und seit 2018 sogar in der Zürcher Stadtregierung vertreten ist.

Erstaunlich ist jedoch auch beim «Tages-Anzeiger» die überproportionale Repräsentation von FDP und die unterproportionale Repräsentation der SP, die sich nicht durch die Parteistärke in Zürich erklären lässt. Bei der «Neuen Zürcher Zeitung» sind diese beiden Effekte sogar noch deutlicher ausgeprägt.


Für die Analyse berücksichtigt wurden die Artikel von 9 Tageszeitungen aus der Schweizer Mediendatenbank: «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Bund», NZZ, «St. Galler Tagblatt», «Aargauer Zeitung», «Luzerner Zeitung», «Basler Zeitung» und «Landbote». Insgesamt 38'411 Artikel von Oktober 2015 bis Juni 2018 wurden ausgewertet. Der ebenfalls angefragte «Blick» willigte zur Artikelmassenanalyse nicht ein. Bei der Zählung der Politikernamen wurden auch Folgenennungen berücksichtigt. Wenn Karin Keller-Sutter im selben Artikel also nur mit Nachnamen erwähnt wurde, zählte diese Nennung mit.

Erstellt: 14.11.2018, 18:10 Uhr

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