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Rega künftig ohne Hilfswerk-Gütesiegel

Nach 45 Jahren verzichtet die Rega auf das Zewo-Gütesiegel für Hilfsorganisationen. Die hohen Löhne hätten eine Sonderprüfung erfordert. Die Rettungsflugwacht ist in der Schweiz kein Einzelfall.

Ab 2014 ohne Siegel unterwegs: Ein Helikopter der Rega in Dübendorf.
Ab 2014 ohne Siegel unterwegs: Ein Helikopter der Rega in Dübendorf.

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega will in Zukunft ohne das Gütesiegel der Zewo auskommen. Diese zertifiziert gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen. Die Rega passt nicht mehr in ein Zertifizierungsraster für traditionelle Hilfswerke, wie sie in einer Stellungnahme schreibt.

Die Rega bestätigte am Mittwoch einen Vorabdruck der am Donnerstag erscheinenden «Weltwoche». Der Verzicht auf das Gütesiegel nach 45 Jahren wird jedoch unterschiedlich begründet.

So schreibt die «Weltwoche», dass die Rega das Gütesiegel wegen der hohen Entschädigungen der Chefs wohl gar nicht mehr bekommen hätte. Stiftungsratspräsident Ulrich Graf erhält 90'000 Franken pro Jahr. Wie hoch das Salär der Geschäftsleitung ist, ist nicht bekannt.

Die Rega dagegen teilt mit, sie habe entschieden, künftig auf die Benützung des Gütesiegels zu verzichten. Sie sei nicht mehr zu vergleichen mit einer klassischen Hilfs-oder Spendenorganisation wie beispielsweise einem Heimbetrieb, einer Umweltschutz- oder Menschenrechtsorganisation, sondern vielmehr mit einer Organisation des Service Public.

Spezialisten statt Freiwillige

Im Laufe ihres 60-jährigen Bestehens habe sich die Rega von einer von freiwilligen Helfern getragenen Pionierorganisation zu einer hoch professionalisierten Organisation der medizinischen Grundversorgung entwickelt.

Freiwilligenarbeit und viel guter Wille reichten nicht mehr aus, um die Qualität und Sicherheit zu gewährleisten und allen geforderten Vorschriften zu genügen. Stattdessen setzt die Rega auf hochspezialisierte Mitarbeitende.

Bei der Einstellung von Jet-Piloten müsse das Angebot der Rega mit kommerziellen Airlines mithalten können, bei jener von Ärzten mit einem Kantonsspital oder einer Uni-Klinik. Viele Mitarbeitende trügen Verantwortung für die Sicherheit des Flugbetriebs oder medizinische Tätigkeit.

Dies führe unter anderem auch zu einer Organisations- und Prozessstruktur, die nicht mehr in das Zertifizierungsraster der Zewo passe.

«Salär bei der Rega unüblich hoch»

Dass die Rega nicht unbedingt mit einem klassischen Hilfswerk zu vergleichen ist, bestätigt auch die Zewo. Im Rahmen von Vorgesprächen zu der alle fünf Jahre anstehenden erneuten Zertifizierung habe man auch die Saläre von Stiftungsrat und Geschäftsleitung thematisiert, sagte Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin Zewo, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Höhe der Vergütung des Rega-Stiftungsratspräsidenten hat sich gegenüber der letzten Zertifizierung nicht geändert. Neu verfüge die Zewo jedoch über eine Studie, die Auskunft gibt über die Vergütung von Stiftungsräten von Hilfswerken. Diese zeige, dass das Salär bei der Rega unüblich hoch sei.

Cheflohn unbekannt

«Es hätte sich die Frage gestellt, ob die Rega zu vergleichen ist mit klassischen Hilfswerken, oder ob diese als Sonderfall zu beurteilen wäre», sagte Martina Ziegerer. Zu welchem Schluss man schliesslich gekommen wäre, sei offen.

Nachdem die Rega keine erneute Zertifizierung beantragt, muss die Zewo diese Frage nicht mehr klären. Auf alle Fälle hätte die Rega jedoch auch die Bezüge von CEO Ernst Kohler offenlegen müssen, deren Höhe bislang nicht bekannt ist.

Paraplegiker-Stiftung ebenfalls ohne Gütesiegel

Wie die Retttungsflugwacht, ist auch die Paraplegiker-Stiftung nicht von der Zewo zertifiziert. Auch sie war deshalb in der Vergangenheit in den Schlagzeilen. Die Stiftung begründet auf ihrer Homepage das Fehlen des Gütesiegels: Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung sei ein weltweit einzigartiges Solidarwerk und zähle in der Schweiz zu den grössten Hilfsorganisationen überhaupt.

Ihre Arbeit sowie jene der Tochter- und Schwesterorganisationen, wie etwa das Schweizer Paraplegiker-Zentrum oder die Schweizer Paraplegiker-Forschung sei weitgehend bekannt oder könne in Dokumentationen, auf dem Internet oder im Geschäftsbericht jederzeit eingesehen werden. Zusätzlich untersteht die Schweizer Paraplegiker-Stiftung, wie im Übrigen auch die Rega, der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht, die ebenfalls sehr strenge Auflagen mache.

Die Paraplegiker-Stiftung betont, dass ihre Organisationsstrukturen im Wesentlichen den Vorgaben der Zewo entsprächen. So erfolge etwa die Rechnungslegung gemäss den vorgeschriebenen Grundsätzen.

(SDA)

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