Rentenalter 67 ist den Jungen zu wenig

Fast alle Jungparteien beklagen sich: Ihre Generation werde in der Rentendebatte ignoriert.

Jung trifft Alt: Die Rentendebatte ist auch ein Generationenkonflikt. Foto: Keystone

Jung trifft Alt: Die Rentendebatte ist auch ein Generationenkonflikt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Reform der Altersvorsorge ist nicht nur ein Ringen zwischen den Parteien, sondern auch ein Kampf der Generationen. Während Linke und Rechte noch über Rentenalter 65 oder 67 streiten, zeigt sich bereits jetzt: Den Jungen geht beides zu wenig weit. Denn sie sind es, die von den Folgen einer defizitären Altersvorsorge besonders stark betroffen wären. Die Jungparteien pochen deshalb nun auf weitreichende Massnahmen, wie sich exemplarisch beim Rentenalter zeigt: Dieses soll komplett flexibilisiert und an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Das hätte besonders für Frauen einschneidende Konsequenzen. Sie werden durchschnittlich älter als Männer, gehen aber schon mit 64 Jahren in Rente. Würde das Rentenalter zum Beispiel bei 80 Prozent der Lebenserwartung fest­gesetzt, läge es schon heute für beide Geschlechter etwa bei 66 Jahren. Die geplante Erhöhung auf 65 Jahre für die Frauen entspreche daher längst nicht mehr den demografischen Realitäten, sagt Andrea Wolff, Präsidentin der Jungen BDP.

Damit spricht sie ein zentrales Anliegen aller bürgerlichen Jungparteien an. Auch sie wollen jetzt diese heilige Kuh der Altersvorsorge schlachten und die Debatte entideologisieren. Die Interessen ihrer Generation sind ihnen wichtiger als die Loyalität mit der eigenen Partei. Nur die Jungsozialisten beurteilen das anders: Sie sind sogar für eine Senkung des Rentenalters. Die reiche Schweiz könne sich das leisten, sagt Präsidentin Tamara Funiciello.

«Das Pensionsalter darf nicht länger Spielball der Politik bleiben, sondern muss rational mathematisch berechnet werden», sagt dagegen Tino Schneider, Präsident der Jungen CVP. Mehr Mathematik, weniger Politik – für diese Formel plädiert auch Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen. Als Leiter der Jugendkampagne kämpft er zurzeit an vorderster Front gegen die AHV-plus-Initiative, die am 25. September an die Urne kommt und eine Rentenerhöhung um zehn Prozent fordert. Denn für ihn ist klar: «Die Alten müssen auch solidarisch mit den Jungen sein. Die Altersvorsorge darf sicher nicht ausgebaut werden, bevor sie saniert wird. Die Enteignung der jungen Generation muss gestoppt werden.» Ein flexibles Rentenalter ist für Silberschmidt eines der dringend nötigen Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Mit der Reform «Altersvorsorge 2020» ist eine solche Flexibilisierung ab 62 und bis 70 Jahre geplant. Doch das reicht den Jungen Grünliberalen nicht. In einem Vorstoss, der in Kürze via GLP-Bundesparlamentarier eingereicht werden soll, fordert die Jungpartei ein Verbot der «Zwangspensionierung», wie es Präsident Pascal Vuichard ausdrückt. «Wer heute länger als bis 65 Jahre arbeiten möchte, muss beim Arbeitgeber dafür kämpfen, komplizierte Spezialverträge aushandeln oder selbstständig werden.» Automatisch pensioniert zu werden, obwohl sich der Angestellte noch fit fühle, sei ein unnötiger Verlust für das Rentensystem, sagt Vuichard. Die JGLP schlägt vor, in einem ersten Schritt die öffentlich-rechtlichen Personalgesetze entsprechend zu ändern. Danach gelte es, die Klauseln zur automatischen Pensionierung in den Arbeitsverträgen privater Firmen abzuschaffen. Diese orientieren sich bisher meist am Referenz­rentenalter. Vuichard ist überzeugt, dass der Vorstoss im nationalen Parlament mehrheitsfähig ist, weil die Regelung für die Arbeitnehmer freiwillig wäre.

Einfluss bescheiden

Doch nicht jede Jungpartei hat in dieser Frage so viel Einfluss auf die Mutterpartei wie die Jungen Grünliberalen. Zwar haben die bürgerlichen Jungparteien im Januar ihre Position der zuständigen Nationalratskommission dargelegt und alle Nationalräte schriftlich gemahnt, bei der Rentenreform die Interessen der jungen Generation zu berücksichtigen – aber bisher ohne den gewünschten Erfolg. Die Junge CVP zum Beispiel lehnt die Erhöhung der AHV-Renten um 70 Franken, wie sie ihre Mutterpartei fordert, ab. Und das Rentenalter 67 – ebenfalls ein rotes Tuch für die CVP – würde die Jungpartei sofort akzeptieren.

Die Junge SVP wiederum sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass die Parteibasis nicht einmal die moderateren Reformvorschläge ihrer Mutterpartei akzeptiert. «Wir müssen den älteren Wählern klarmachen, dass es ein knallharter Betrug an der jungen Generation wäre, wenn das Vorsorgesystem nicht auf ein gesundes Fundament gestellt würde», sagt Präsident Benjamin Fischer. Gelinge dies nicht, sei die JSVP zur Unterstützung radikalerer Lösungen bereit – etwa der Abschaffung der AHV mittels individueller Pensionskonten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2016, 00:59 Uhr

Artikel zum Thema

Aufschub des AHV-Bezugs lohnt sich

Geldblog Wer es sich leisten kann, fährt gut damit, die Rente aufzuschieben – und profitiert später von monatlichen Zuschlägen. Zum Blog

Unsere Rente steht auf dem Spiel

Politblog Nur vier Wochen vor der Abstimmung zur Initiative «AHV plus» zeigt sich die Kommission zum Reformpaket «Vorsorge 2020» unentschlossen. Zum Blog

Ein Plus bei der Rente? Nein, auf keinen Fall!

10 Prozent mehr AHV wollen die Initianten von «AHV plus». Eine bürgerliche Phalanx warnt vor einem 12-Milliarden-Loch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...