Revolution im Himalaja

Der Hanfbauer Bernard Rappaz ackert statt im Wallis nun in Nepal.

Hanf war gestern, heute ist Quinoa: Mehrzweck-Landwirt Bernard Rappaz. Foto: Doris Fanconi

Hanf war gestern, heute ist Quinoa: Mehrzweck-Landwirt Bernard Rappaz. Foto: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als rebellischer Hanfbauer ist Bernard Rappaz in die Schweizer Geschichte eingegangen. 2010 hielt er das Land mit Hungerstreiks in Atem. Er sagt: «Ich war ein politischer Gefangener, weil ich versuchte, den Hanf zu liberalisieren.» Das ist eine Weile her. Bernard Rappaz ist längst in neue Welten aufgebrochen. Im Frühling 2015, kurz nach dem Erdbeben in Nepal, reiste er in den Himalaja. Dort behagte ihm nicht nur die Landschaft, sondern faszinierte ihn auch die Offenheit und Toleranz gegenüber Fremden.

In der Region Dolpo entwarf der 63-Jährige schliesslich eine neue Lebensaufgabe für sich. Der Bauer aus Saxon im Kanton Wallis wollte im Himalaja-Gebirge die Landwirtschaft revolutionieren und dafür sorgen, dass dort in Zukunft mehr wächst als Reis, Kartoffeln und Gerste. Rappaz wusste um die grossen Heraus forderungen. Die Dörfer in Dolpo liegen auf bis zu 4300 Meter über Meer. Doch einer wie Rappaz schreckt vor so etwas nicht zurück – ganz im Gegenteil.

Für sein Hilfsprojekt gründete Rappaz die «Népal Evolution». Er besorgte sich Quinoa- und Roggensamen und streute sie mit Erlaubnis der Dorfchefs auf Himalaja-Äckern aus. Einige Monate sind seither vergangen. Rappaz sagt: «Die Pflanzen sind gut gewachsen, aber brauchen Zeit, sich der Umgebung anzupassen.» Wenn sie reif seien, gehe er zurück nach Dolpo, um zu schauen, was aus ihnen geworden ist. Der Walliser ist sich indes sicher, dass Roggen und Quinoa den Nepalesen genauso schmecken wie der Reis, den sie täglich essen. Das hat er getestet. Rappaz sagt: «Ich habe Soldaten Quinoa zu essen gegeben. Es hat ihnen geschmeckt.»

Der Walliser versprüht Enthusiasmus, als er sein Projekt in einem von Indien aus geführten Telefongespräch präsentiert. Den Journalisten Jean-Marc Richard, der Rappaz unterstützt, erstaunt das nicht. Er sagt: «Er hat sich im Gefängnis selbst infrage gestellt. Dieses Projekt ist die beste Wiedereingliederung in die Gesellschaft und die Diversifizierung der nepalesischen Landwirtschaft macht Sinn.» Auch Philippe Roch, bis 2005 Direktor des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft, unterstützt Rappaz. Die Idee sei interessant und seine Aktivitäten in Nepal dienten auch dem Umweltschutz.

In Indien ist Rappaz derzeit in ganz besonderer Mission unterwegs. Er suche nach einer braunen Forelle, verrät Rappaz. Er hat nämlich herausgefunden, dass es in den Hochgebirgsseen in Dolpo keine Fische gibt. Die braune Forelle will er nun dort ansiedeln. Sie soll selbst auf 3000 Metern über Meer überleben. Ob sie das wirklich tut, wird sich weisen. Rappaz würde sich freuen. Eben habe er seine erste nach indischer Art gewürzte Forelle verspeist, verrät er. Die nächste würde er gern in Dolpo verschlingen – nach nepalesischer Art.

Erstellt: 20.05.2016, 18:22 Uhr

Artikel zum Thema

Der Hungerstreik kommt Rappaz’ Krankenkasse teuer zu stehen

Der Spitalaufenthalt des Walliser Hanfbauern kostet Tausende von Franken. Zudem sind weitere Rechnungen offen. Mehr...

Bauer ohne Boden

Porträt Der Walliser Bernard Rappaz bezahlte für seinen Kampf zur Legalisierung von Cannabis einen hohen Preis. Der Staat liess seinen Hof verkaufen, nun ist er auf Sozialhilfe angewiesen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Verstehen Sie Ihre Arztrechnungen?

Sie wollen wissen, was genau auf Ihrer Arztrechnung steht? Kein Problem – lassen Sie es sich einfach im Kundenportal des Gesundheitsversicherers Atupri übersetzen.

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...