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Salafisten-Rambo aus der Westschweiz verhaftet

Erst Partys und Alkohol, dann Jihad und ein arabisches Tattoo: Wie ein junger Lausanner sich radikalisierte.

Laut französischen Medienberichten wurde durch die Festnahmen möglicherweise ein Terroranschlag in Nizza verhindert. Foto: Wikimedia
Laut französischen Medienberichten wurde durch die Festnahmen möglicherweise ein Terroranschlag in Nizza verhindert. Foto: Wikimedia

In einem abgestimmten Einsatz hat die Polizei in der Westschweiz und in Frankreich zehn Terrorverdächtige verhaftet und mehrere Wohnungen durchsucht. In der Schweiz führte die Polizei eine 23-jährige Kolumbianerin ab. Deren 27-jähriger Partner, ein Schweizer mit bosnischen Wurzeln, wurde in Frankreich verhaftet.

Laut französischen Medienberichten wurde durch die Festnahmen möglicherweise ein Terroranschlag in der südfranzösischen Stadt Nizza verhindert. Dort waren schon im Juli vor einem Jahr 86 Menschen bei einem islamistisch inspirierten Attentat ums Leben gekommen. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, bedankte sich auf Twitter für die gute Arbeit der Sicherheitskräfte, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Die Verhaftungen in Frankreich fanden in der Nähe von Paris und im Süden des Landes statt.

Schon länger unter Beobachtung

In der Schweiz konzentrierte sich die Polizei auf Wohnungen in den Kantonen Waadt und Neuenburg. Der Schweizer Hauptverdächtige M. J. befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Frankreich und ging dort ins Netz der Polizei. Der Mann hat länger in Yverdon und Lausanne gelebt. Er besuchte die Mittelschule in Lausanne und soll dort später auch Sozialhilfe bezogen haben.

Bereits im Sommer vor einem Jahr eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn wegen Verdachts auf Verstoss gegen das IS- und das Al-Qaida-Verbot sowie wegen Unterstützung beziehungsweise Beteiligung an einer kriminellen Organisation. Dieses Verfahren wurde später auch auf seine kolumbianische Partnerin ausgedehnt.

M. J. stand schon länger unter Beobachtung der Polizei. Während er früher Partys feierte und Alkohol trank, radikalisierte er sich in letzter Zeit zunehmend. Wohl während dieses Prozesses liess er sich das Wort «Salaf» in arabischer Kalligrafie auf die im Kraftraum gestählte Brust tätowieren. «Salaf as-salih» bedeutet die «rechtschaffenen Altvorderen», womit im Islam in der Regel die allerersten muslimischen Generationen nach dem Propheten Mohammed bezeichnet werden. Davon leitet sich auch der Ausdruck «Salafisten» ab, also Muslime, die so zu leben vorgeben wie der Prophet und dessen Gefährten.

Kontakt zu Koranverteilern

Fotos, mit denen sich M. J. in den sozialen Medien präsentiert, zeigen ihn allerdings glatt rasiert. Der grosse und trainierte Mann wirkt rein äusserlich überhaupt nicht wie ein typischer Salafist. Auf einem Partnersuchportal zeigt er seinen nackten Oberkörper. Nicht gerade in Prophetentradition fragt er dazu rhetorisch: «Was kannst du gegen einen Typen tun, der sein T-Shirt fallen lässt? Er gleicht Rambo.»

Schon in der Lausanner Mittelschule hatte M. J. Kontakt zu zwei späteren Koranverteilern der Aktion «Lies!». Zur Szene, in der M. J. wohl verkehrte, gehört auch der Bruder des einen Koranverteilers. Dieser war ein Freund des IS-Jihadisten Damien G. aus dem waadtländischen Orbe und soll eine im französischen Sprachraum sehr bekannte Website zur Rekrutierung von IS-Kämpfern betrieben haben. Wann genau M. J. mit der jihadistischen Version des Islam zu sympathisieren begann, ist unklar. Unter einem Pseudonym verbreitete er auf Youtube Videos mit salafistischem Inhalt, darunter auch solche des jemenitisch-amerikanischen Al-Qaida-Terroristen Anwar al-Awlaki.

Treueeid auf den IS

Wenn die Angaben in französischen Medien zutreffen, hat M. J. über den verschlüsselten Messengerdienst Telegram versucht, einen 13-Jährigen in einem Pariser Vorort zu einer Messerattacke anzustiften. Der Junge wurde im Sommer festgenommen. Von ihm hatten die Behörden ein Foto in den sozialen Medien gefunden. Er war mit einem Blatt Papier in der Hand abgebildet, worauf er einen Treueeid auf den IS geschrieben hatte. Es handelt sich um den bisher jüngsten mutmasslichen Terroristen Frankreichs.

Gegen M. J. und die anderen in Frankreich Verhafteten wird nun wegen Vorbereitung eines Terroranschlags ermittelt. Sollte der Schweizer in Frankreich angeklagt und verurteilt werden, droht ihm eine wesentlich härtere Gefängnisstrafe als in der Schweiz.

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