«Die US-Waffenlobby ist kein Vorbild für mich»

Was verbindet die Waffenbesitzer in den USA und der Schweiz? Schützenfunktionär Werner Salzmann über automatische Waffen, schärfere Gesetze und unterschiedliche Traditionen.

Für jedermann erhältlich: Waffen an einer Messe in Las Vegas (13. Januar 2013).

Für jedermann erhältlich: Waffen an einer Messe in Las Vegas (13. Januar 2013). Bild: Keystone

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Sie sind Schütze und setzen sich für ein freiheitliches Waffenrecht in der Schweiz ein. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Massaker in Las Vegas gelesen haben?
Zuerst war ich, wie alle anderen auch, entsetzt. In den USA sind vollautomatische Waffen ja eigentlich verboten. Mich hat erstaunt, wie einfach es aber für den Täter offenbar war, seine legalen halbautomatischen Waffen so umzubauen, dass er bis zu 800 Schüsse pro Minute abgeben konnte. Das ist der Wahnsinn! Und es zeigt: Wer eine solche Waffe will, der bekommt sie auch, ob legal oder illegal.

Die legalen Hürden für den Waffenerwerb sind in den USA aber auch extrem tief.
Die Mentalität der Amerikaner ist in dieser Sache halt eine ganz andere als bei uns. Warum hat der Amerikaner eine Waffe? Weil er sich selbst verteidigen will und das viele Jahre auch tun musste. In der Schweiz haben wir eine andere Tradition des Waffenbesitzes: Durch unser Milizsystem dürfen Dienstpflichtige ihre Dienstwaffe nach Hause nehmen oder bei Schiesspflichterfüllung nach der Dienstpflicht behalten. Die Waffen sind im Besitz von Schützen, Jägern und Sammlern. Das lässt sich mit den USA nicht vergleichen.

Haben Sie Verständnis für die amerikanische Waffenkultur?
Man muss das aus der Geschichte dieses Landes begreifen. Diese Kultur entstand mit der Besiedelung des Westens, wo oft ein gesetzloser Zustand herrschte, wo jeder auf sich allein gestellt war. Es ging um den Schutz des Einzelnen in einem Gebiet und in einer Zeit, in der es noch keinen gefestigten Staat gab. Kein Wunder, wollten da alle eine Waffe haben.

Video: Und plötzlich fielen Hunderte Schüsse

Ein Open-Air-Konzert in Las Vegas wird innert Sekunden zum Horror.

Viele Amerikaner wünschen sich heute schärfere Waffengesetze – und klagen über die US-Waffenlobby, die genau dies verhindert. Im Vergleich zu einer NRA sind die hiesigen Waffenfreunde zahm.
Mit denen kann man uns nicht vergleichen. Die NRA ist kein Vorbild für mich.

Trotzdem waren auch Sie zuletzt recht effektiv: Der Bundesrat hat das schärfere EU-Waffenrecht, das die Schweiz übernehmen muss, aufgrund des politischen Drucks der Waffenlobby abgeschwächt.
Der Bundesrat hat seinen Handlungsspielraum zu wenig ausgenutzt! Er macht mit seinem Vorschlag aus einem legalen Besitzer eines Sturmgewehrs den Halter einer verbotenen Waffe, der auf eine Ausnahmebewilligung angewiesen ist. So wird der Grundstein gelegt für die Enteignung der rechtmässigen Waffenbesitzer. Dazu passt auch die Klausel, mit der Waffenbesitzern jederzeit die Waffe beschlagnahmt werden kann. Und all das im Namen der Terrorismusbekämpfung!

Man kann es auch anders sehen: Schärfere Gesetze wie jene über halbautomatische Waffen schränken die Verfügbarkeit von Waffen ein, mit denen jemand in kürzester Zeit viele Menschen töten kann.
Schärfere Waffengesetze führen vor allem dazu, dass der Schwarzhandel noch angekurbelt wird. Wer sich eine Waffe für eine kriminelle Handlung besorgen will, erhält immer eine. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2017, 20:09 Uhr

Werner Salzmann ist SVP-Nationalrat und Präsident des Berner Schiesssportverbands. Foto: Keystone

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