Scheinheiliger Bimbam

Die SVP giftelt gegen einen bürgerlichen Partner.

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«Wenn es eines letzten Beweises bedurft hätte, dass die CVP mit ihrem C nichts mehr anzufangen weiss, dann war es die Affäre Buttet.» So dröhnte SVP-Nationalrat und Köppel-Journalist Peter Keller in der vorletzten «Weltwoche». Die Partei habe die «Essenz der christlichen Religion» verraten. In Kellers Augen war es eine Erzsünde, dass sich CVP-Präsident Gerhard Pfister früh und klar (aber mit der nötigen Vorsicht angesichts unbewiesener Vorwürfe) von dem Walliser distanzierte. In Kellers theologischem Verständnis gehört Buttet zu den Sündern, zu den Gefallenen und Ausgestossenen, deren sich eine christliche Partei anzunehmen habe wie einst Jesus Christus des Zöllners oder der Herr im biblischen Gleichnis des verlorenen Sohns. Entsprechend vorweihnachtlich gestimmt, verzichtete die «Weltwoche» darauf, den Vorwürfen gegen Buttet die harte Recherche angedeihen zu lassen, auf die sie sonst so stolz ist. Lieber machte sie aus dem Fall Buttet einen Fall CVP – und so aus sich selbst ein leicht durchschaubares Kampfblatt im Parteienhader.

Wie der Zufall so spielt, geriet SVP-Präsident Albert Rösti dieses Wochenende in eine Situation, in der er locker die christliche Vergebung hätte demonstrieren können. Aber im Fall des Jung-SVPlers, der sich in jugendlicher Blödigkeit eine Naziparole hatte auf den Arm tätowieren lassen, kam für Rösti nur eines infrage: dass der Fehlbare sofort sein Amt aufgebe und die Partei verlasse. Rechtsextremes Gedankengut dieser Art sei «nicht tolerierbar», sagte Rösti.

Recht hat der Parteipräsident. Zum Glück liess er sich nicht vom Vergebungsgeschwurbel seines Partei- und Parlamentskollegen Keller durcheinanderbringen. Aber aus der Kombination der beiden Affären bleibt dennoch der Eindruck zurück, die SVP sei nicht nur eine christliche Partei, sondern sogar eine heilige.

Eine scheinheilige eben.

Erstellt: 18.12.2017, 21:26 Uhr

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