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Schlängelnd in den Abgrund

CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister passt sich ein wenig an.

Es sind immer weniger, welche die Predigt der CVP hören wollen.
Es sind immer weniger, welche die Predigt der CVP hören wollen.
Alessandro della Valle, Keystone

Der beste Satz im gestrigen Redaktion Tamedia-Gespräch mit Gerhard Pfister, dem Präsidenten der CVP, geht so: «Sie unterschätzen meine Wendigkeit.» Nein, wir unterschätzen ihn nicht, im Gegenteil: Wir gratulieren Pfister zum Heimfinden in die politische Strategie seiner Partei, dem Schlingerkurs.

Im Interview betont der Parteipräsident seine Distanz zum Freisinn, der ihm immer unsympathischer vorkommt. Damit bestätigt er das Scheitern der bürgerlichen Wende, die nach den letzten Wahlen ausgerufen wurde. Pfisters neu justierte Haltung, von der er sich durch eine Befragung der Parteibasis inspirieren lässt, nennt er «bürgerlich-sozial». Man bleibt unbeeindruckt. Mal links und dann wieder rechts? Das heisst doch nichts anderes als: weiter wie bisher.

Bei seiner Wahl zum Parteipräsidenten vor knapp 16 Monaten hatte Pfister, einer der konservativsten Parlamentarier in Bern, seiner Partei einen Ruck nach rechts versprochen. In der Folge empfahl er sich als eloquenter Bürgerlicher mit Selbstironie. Er konnte seine Rezepte weitflächig verteilen. Allerdings brachten ihm seine Vorstellungen einer christlichen Leitkultur und die Forderung, es seien nur christliche Flüchtlinge aufzunehmen, öffentliche Kritik. Der 55-jährige Germanist aus Zug suchte die Zukunft seiner Partei im Konservatismus ihrer fernen Vergangenheit. Davon scheint er jetzt ein wenig abzukommen.

In den Kantonen fast überall Verluste

Als Mehrheitenbeschafferin gewinnt die CVP zwar Abstimmungen mit wechselnden Koalitionen. Und sie stellt immer noch überproportional viele Regierungsräte. Aber bei den kantonalen Parlamentswahlen rechnet sich das Oszillieren nicht, und die CVP gibt ab. Sie verlor Sitze in den katholischen Stammlanden Wallis und Freiburg, ferner in Basel-Stadt, Aargau, Uri, Schwyz, Schaffhausen und St. Gallen. In Neuenburg, wo sie eh keine Rolle spielt, konnte sie einen Sitz zulegen, und sie gewann in Solothurn Wähleranteile hinzu, obwohl sie zwei Sitze verlor.

Es brauche etwas länger, sagt Gerhard Pfister in solchen Situation sinngemäss, bis die Wählerschaft auf einen neuen Präsidenten und seinen Kurs reagieren könne. Möglicherweise gibt es gar nichts zu reagieren, da die CVP genauso an Bedeutung verliert wie die katholische Kirche. Es sind immer weniger, welche die Predigt hören wollen.

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