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Schlechter Moment für einen Abgang

In Zeiten, in denen der Bundesrat die Sparschraube selbst bei der Bildung ansetzen will, bräuchte die ETH einen starken Präsidenten.

Begonnen hat alles so wunderbar.

Als langjähriger Professor für Thermotronik an der ETH hatte der 2015 ernannte neue ETH-Präsident Lino Guzzella zwar Stallgeruch, aber er war doch irgendwie anders als sein eher betulicher Vorgänger. Aufgewachsen im Arbeiterquartier Wiedikon als Sohn italienischer Einwanderer, hatte er sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Eine Karriere, die zeigte, dass im Schweizer Bildungswesen viel möglich ist.

Guzzella hat auch viel bewegt. Seine ETH Zürich steht bezüglich wissenschaftlicher Leistungen hervorragend da, vielleicht sogar besser als vor seinem Amtsantritt. In den wichtigen Rankings konnte die Hochschule trotz harter internationaler Konkurrenz ihre Spitzenposition halten. Erfolge, die Guzzella auch sehr gerne und gekonnt kommunizierte. Guzzella hatte auch Ideen: Mit der Critical-Thinking-Initiative wollte er verschulte Studenten zu kritischen Forschern erziehen. Und mit dem neu installierten Medizinstudium weitete er das Fächerangebot gezielt aus.

Sein unerwarteter Abgang trifft die ETH in einem schlechten Moment. In Zeiten, in denen der Bundesrat die Sparschraube selbst bei der Bildung ansetzen will, bräuchte sie einen starken Präsidenten. Geschadet hat Guzzella die Mobbingaffäre um das Institut für Astronomie. Statt den Konflikt offen anzugehen und transparent zu kommunizieren, schien es, als wolle die Führung den Sturm einfach aussitzen. Eine Haltung, mit der er offenbar den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde.

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