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Schliessen nun alle Berghütten?

Die Corona-Krise trifft auch die Bergwelt. Der Schweizer Alpen-Club rät seinen Sektionen eindringlich, die SAC-Hütten zu schliessen. Doch das müssen sie laut Bund gar nicht.

Stefan Häne
Was nun? Ein Helikopter fliegt zur Lämmerenhütte auf dem Gemmipass oberhalb Leukerbad. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Was nun? Ein Helikopter fliegt zur Lämmerenhütte auf dem Gemmipass oberhalb Leukerbad. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Corona-Krise ist auf 3235 Metern über Meer angekommen. In der Hollandiahütte, hoch über dem Lötschental im Wallis, sind derzeit drei Mitarbeiter daran, das alpine Refugium aufzuräumen und zu putzen. Heute Dienstag fliegt ein Helikopter die verderblichen Esswaren ins Tal hinunter. Eben erst am letzten Donnerstag hatte er in drei Flügen noch Material zur Hütte transportiert.

Hüttenwart Egon Keller wird nun seine drei Mitarbeiter für Kurzarbeit anmelden. Foto: Bruno Petroni
Hüttenwart Egon Keller wird nun seine drei Mitarbeiter für Kurzarbeit anmelden. Foto: Bruno Petroni

Hüttenwart Egon Feller ist konsterniert: «Wir hätten das gerne durchgezogen – einfach mit 10 bis 15 Gästen statt mit 70, um die Hygienevorschriften des Bundes einhalten zu können.» Von gestern Montag auf heute haben noch elf Tourengänger in der Hütte übernachtet, von heute Dienstag auf morgen sind es noch drei. Dann aber sei Schluss, so Feller.

Auch in anderen Hütten im Wallis gehen die Läden heute zu, etwa in der Monte-Rosa-Hütte ob Zermatt. Der Kanton Wallis hat am Montag beschlossen, alle gastronomischen Einrichtungen zu schliessen. Dazu zählt er auch Berghütten. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 10’000 Franken rechnen.

Feller wird nun seine drei Mitarbeiter für Kurzarbeit anmelden. Wie gross der finanzielle Schaden ist, kann er nicht beziffern, sicher aber sei er «enorm», wenn in den kommenden Wochen die Hütte wie verwaist dastehen wird. Auch die Vorbereitungsarbeiten – alles umsonst, wie Feller bedauert. Die Hollandiahütte gehört der Sektion Bern des Schweizer Alpen-Club (SAC). Feller hofft, dass die Sektionen, aber auch die SAC-Zentrale in Bern von der Corona-Krise gebeutelte Hüttenwarte unterstützen werden, auch finanziell. Der SAC-Zentralverband erklärt auf Anfrage, er wolle all seine Möglichkeiten ausschöpfen, um die wirtschaftlichen Folgen für Hütten und Sektionen «irgendwie abzufedern». In welcher Form, sei noch offen.

153 Hütten betroffen

Mit der Schliessung der Hollandiahütte folgt Feller der Empfehlung des SAC-Zentralverbands. Dieser rät den Sektionen «eindringlich», ihre Berghütten bis auf weiteres zu schliessen beziehungsweise gar nicht erst zu öffnen. Es liege nun in der Verantwortung der Sektionen als Besitzerinnen der Hütten, diese Empfehlung umzusetzen, schreibt der Verband heute auf seiner Homepage, nachdem der Bundesrat am Montag die Situation in der Schweiz neu als «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz eingestuft hat.

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Die Empfehlung gilt für die 153 SAC-Hütten – und potenziell für Tausende von Berggängern, die nun unter Umständen ihre Pläne ändern müssen. Allein der SAC zählt rund 160’000 Mitglieder. Der Verband legt seinen Sektionen schliesslich nahe, vorderhand auch auf organisierte Touren zu verzichten. Seine Empfehlung gibt er explizit im Wissen darum ab, dass der Entscheid des Bundesrats mit Blick auf SAC-Hütten einen «gewissen Interpretationsspielraum» offenlasse.

Hotels dürfen laut Bund geöffnet bleiben, Gastrobetriebe aber nicht. Was aber ist eine SAC-Hütte? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt auf Anfrage, SAC-Hütten würden unter die Ausnahmeregelung für Hotels fallen.

Das geht auch aus den Erläuterungen zur Covid-19-Verordnung 2 des Bundesrats hervor. Damit dürfen die Hütten unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln offen bleiben; ein Teil der Kantone kommuniziert das auch so, etwa Bern. Auf die Frage, ob die Kantone über die Bestimmung des Bundes hinausgehen und die Hütten gleichwohl zum Schliessen zwingen dürfen, antwortet ein BAG-Sprecher: «Nein, das dürfen sie nicht.»

Was gilt nun fürs Wandern?

Der SAC ändert seine Haltung trotzdem nicht. Wegen der engen Platzverhältnisse und oft einfachen hygienischen Verhältnissen sei es schwierig bis unmöglich, die Vorbeugemassnahmen in den Hütten einzuhalten, sagt eine Sprecherin. Für den Zentralvorstand habe oberste Priorität, die Gesundheit der Gäste und der Hüttenteams zu schützen sowie die weitere Verbreitung des Covid-19 zu verhindern. «Aus diesem Grund bitten wir auch die Gäste, die einen Hüttenaufenthalt geplant haben, bis auf weiteres auf diesen zu verzichten.»

Unklar ist dagegen, was der Bund nun von all den Berggängern erwartet. Das Bundesamt für Gesundheit schreibt auf Anfrage: «Wer sich draussen bewegen möchte, kann dies tun.» Es sollte aber engen Kontakt mit anderen Personen vermieden werden. Für den kleinen Familienkreis gälten vor allem die Hygieneregeln.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga dagegen hatte gestern gemahnt, es müsse nun ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. «Und ein Ruck heisst: dass die organisierte Wanderung oder der Wanderausflug nicht mehr stattfindet.» (Lesen Sie hier: Zehn alltägliche Beispiele die zeigen, was ab jetzt in der Schweiz noch erlaubt ist – und was nicht.

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