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Schliesst der Bundesrat jetzt alle Schweizer Schulen?

Die Regierung könnte heute Massnahmen im Schulbereich erlassen. Einzelne Kantone und Institutionen sind schon aktiv geworden.

Bisher sahen sie von Schulschliessungen ab: Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten (BAG), und Bundesrat Alain Berset (r.). Foto: Keystone
Bisher sahen sie von Schulschliessungen ab: Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten (BAG), und Bundesrat Alain Berset (r.). Foto: Keystone

Heute Vormittag berät der Bundesrat, welche Massnahmen mit Blick auf das Corona-Virus angezeigt sind. Im Fokus ist auch das Thema Schule: Der Kanton Tessin schliesst alle Schulen, die ETH setzt auf Fernunterricht, die Universität Zürich hat Anlässe abgesagt. Und was ist mit der obligatorischen Volksschule?

Bislang stellten sich die Landesregierung und das Bundesamt für Gesundheit auf den Standpunkt, dass die Schliessung der Schulen unverhältnismässig wäre: Wenn die Schüler zuhause blieben, kämen sie vermehrt mit älteren Verwandten wie Grosseltern in Kontakt, die zur gefährdeten Altersgruppe zählen. Und die Wirtschaft geriete ins Straucheln, wenn Eltern zuhause ihre Kinder betreuten, statt arbeiten zu gehen.

Wissenschaft für Schliessungen

Wissenschaftler halten diese Überlegungen jedoch für falsch. Jacques Fellay vom Lausanner Universitätsspital und der ETH Lausanne sowie die Epidemiologen Christian Althaus und Marcel Salathe fordern in einem offenen Brief die Universitäten auf, den Lehrbetrieb einzustellen. Auch sollten so viele Schulen geschlossen werden, wie nur möglich, sagen sie. Wenn wir es jetzt nicht tun, würden wir in einer Woche sowieso dazu gezwungen werden, sagt Fellay.

Auch Lehrerpräsidentin Dagmar Rösler kritisiert gegenüber der Aargauer Zeitung die Behörden. Man denke bis jetzt viel zu wenig an die Lehrer, sagt die Primarlehrerin und Zentralpräsidentin des Lehrerverbands Schweiz. Auch unter den Lehrpersonen gebe es besonders verletzliche Personen mit Vorerkrankungen. Der Verband erwarte vom Bund Antworten, wie im Ernstfall vorzugehen sei. Kommende Woche hält der Lehrerverband eine Krisensitzung mit verschiedenen Bildungs-Organisationen ab.

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Anders als in Italien und Österreich sind die Schweizer Primar- und Sekundarschulen bisher noch offen. Doch der Schulbesuch ist in einzelnen Gemeinden mittlerweile freiwillig. So haben Lugano und Locarno diese Woche die Schulpflicht aufgehoben, nachdem Lehrer ausgefallen sind und keine Aushilfslehrer organisiert werden konnten. In der Folge seien bis zu 60 Prozent der Schüler nicht zum Unterricht erschienen, berichten NZZ und 20 Minuten. Auch die Gemeinde Monteceneri wird ab Montag die Schulen schliessen — zusammen mit allen anderen öffentlichen Gebäuden.

Gut möglich, dass der Bundesrat heute Empfehlungen bezüglich Schulbetrieb abgibt. Das Epidemiengesetz erlaubte ihm sogar die Schliessung aller Schulen im Land, 2012 hat die Bevölkerung das Gesetz an der Urne angenommen. Möglich ist auch, dass der Bundesrat zurückhaltend ist, jedoch einzelne Kantone die Schulen schliessen.

Wie effektiv Schulschliessungen sind, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit von Schulschliessungen. Allerdings müssten sie in einem frühen Stadium erfolgen, und dann sei die Akzeptanz solcher drastischer Massnahmen in der Bevölkerung in der Regel noch nicht vorhanden, heisst es.

Prominenter Virologe Drosten ändert seine Meinung

Meinungen und Weisungen ändern sich derzeit in hohem Tempo. So hat auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité seine Ansicht zu Schulschliessungen geändert. Er habe am Vortag wohl zu kurz gedacht, sagte er am Donnerstag in seinem täglichen Corona-Podcast. Sein Ursprungsgedanke war, dass man die Arbeitskraft im Land erhalten müsse, gerade im Gesundheitswesen, wo sehr viele junge Mütter arbeiten, die bei einer Schulschliessung ausfallen würden, weil sie ihre Kinder betreuen müssten.

Doch nun zitierte Drosten eine von einer deutschen Kollegin in den USA verfasste Studie, die belegt, dass zwei kombinierte Massnahmen extrem wirksam seien in Bezug auf die Sterberate. Also beispielsweise Schulschliessungen kombiniert mit einem Veranstaltungsverbot. Je früher, desto besser. Und man spreche ja hier von einer Massnahme für wenige Wochen.

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