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Schneider-Ammann erfüllt nicht alle Wünsche

Gewerkschaften und SP drängen auf zusätzliche Schritte zur Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann will die externe Betreuungssituation verbessern: Mit mehr Geld für Kinderkrippen, dem Einsatz von Zivildienstleistenden in Horten sowie mit Tagesstrukturen im Schulbereich. Foto: Keystone
Bundesrat Johann Schneider-Ammann will die externe Betreuungssituation verbessern: Mit mehr Geld für Kinderkrippen, dem Einsatz von Zivildienstleistenden in Horten sowie mit Tagesstrukturen im Schulbereich. Foto: Keystone

Das Potenzial ist gross: 143'000 Vollzeitstellen könnten gemäss Berechnungen des Bundes mit einheimischen weiblichen Fachkräften besetzt werden. Hierfür müsste die Erwerbstätigkeit der nicht- oder Teilzeit arbeitenden Frauen zwischen 25 und 54 Jahren um 20 Prozente erhöht werden. Heute dagegen bleibt das Potenzial häufig ungenutzt. Die Erwerbsquote der Frauen mit überobligatorischem Schulabschluss liegt mit 59 Prozent deutlich unter jener der Männer (90 Prozent).

Das will Bundesrat Johann Schneider-Ammann ändern. Sein Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBA) stellt eine Reihe von Massnahmen zur Diskussion, dank derer gut qualifizierte Frauen stärker in die Arbeitswelt integriert werden können. Ins­besondere will Schneider-Ammann die externe Betreuungssituation verbessern: Mit mehr Geld für Kinderkrippen, dem Einsatz von Zivildienstleistenden in Horten sowie mit Tagesstrukturen im Schulbereich. Sodann setzt er auf die Eigenverantwortung der Wirtschaft sowie steuerliche Anreize.

Umstritten ist, ob damit die angepeilten Ziele erreicht werden können. Skeptisch zeigt sich der Gewerkschaftsbund, der die Arbeiten des WBF in einem Ausschuss begleitet hat. Die Stossrichtung sei sicher richtig, sagt Zentralsekretärin Veronique Polito. Über die Details sei in der Begleitgruppe aber nie diskutiert worden. Wenig hält Polito namentlich davon, auf freiwillige Massnahmen der Unternehmen zu setzen. Das habe in der Vergangenheit nichts gebracht.

SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi sagt, sie habe mehr und konkretere Massnahmen erwartet. Statt handfeste Projekte zu präsentieren, begnüge sich Schneider-Ammann mit Absichtserklärungen. Enttäuschend findet die Nationalrätin nicht zuletzt, dass die Lohnfrage ausgeklammert bleibe. Wolle der Staat mehr Frauen für die Arbeitswelt gewinnen, müsse er mehr dafür tun, die bestehende Lohndiskriminierung zu beseitigen. Bei der externen Betreuung von Kindern wiederum seien die Probleme schon lange offenkundig. Tagesstrukturen fehlten vielfach, während andere Angebote häufig zu wenig flexibel oder zu teuer seien. Hier müsste der Staat über die Tarifgestaltung und die Subventionspraxis Einfluss nehmen, sagt Gysi.

Zufriedene Arbeitgeber

Positiv beurteilt der Arbeitgeberverband das Paket. Mehr staatliche Massnahmen würden kaum etwas bringen, sagt Geschäftsleitungsmitglied Jürg Zellweger. Die Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen hänge von vielen Einzelentscheiden ab. Eine zentrale Steuerung sei deshalb nicht realistisch. Wichtiger sei die Sensibilisierung der Wirtschaft. Zellweger erinnert an die 90er-Jahre, als die Sozialpartner als Reaktion auf den Mangel an Ausbildungsplätzen die Lehrstellenkonferenz starteten. Heute brauche es vergleichbare Anstrengungen. Der Arbeitgeberverband war ebenfalls Mitglied der Begleitgruppe. Dabei sind bisherige Positionen ins Wanken geraten: Bislang sprach sich der Verband gegen eine Verlängerung der Anschubfinanzierung für Kinderkrippen aus. Nun soll das nochmals diskutiert werden

Grundsätzlich zufrieden mit den Vorschlägen ist auch der Kaufmännische Verband Schweiz. Im Bereich der Fremdbetreuung fehle dem Bund die Kompetenz, um konkrete Massnahmen zu beschliessen, sagt Geschäftsleitungsmitglied Manuel Keller. Es sei deshalb richtig, dass Schneider-Ammann die Kantone einbinden wolle. Gleichzeitig bedauert Keller das bescheidene Tempo. Angesichts der fehlenden Fachkräfte brauche es ein rasches Vorgehen von Politik und Wirtschaft.

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