Zum Hauptinhalt springen

Schulterschluss der Uni-Spitäler bei Krebstherapie

Am Berner Inselspital entsteht ein nationales Protonentherapie-Zentrum für Krebskranke. Der Kanton Zürich macht nicht mit.

Ein Protonenzentrum für die Schweiz: Das Inselspital in Bern.
Ein Protonenzentrum für die Schweiz: Das Inselspital in Bern.
Keystone

Am Berner Inselspital soll ein nationales Protonentherapie-Zentrum für Krebskranke entstehen. Darauf haben sich die Universitätsspitäler Bern, Basel, Genf und Lausanne verständigt. Zürich macht nicht mit. Denn der Kanton Zürich sieht vorderhand keine Notwendigkeit, die kostenintensive Protonentherapie an einer Uniklinik anzubieten, wie ein Sprecher des Unispitals am Freitag auf Anfrage bekräftigte. Lieber unterstützt Zürich das Paul Scherrer Institut (PSI) im aargauischen Villigen.

Das PSI ist das bislang einzige Institut in der Schweiz, das die neuartige, schonendere Krebstherapie anbietet. 150 Patienten werden dort pro Jahr behandelt, mittelfristig sollen es 500 werden. Doch langfristig dürfte das Angebot für 2500 Patienten jährlich sinnvoll sein, schätzen die Unispitäler Bern, Basel, Genf und Lausanne. Sie möchten die Protonentherapie in Bern konzentrieren - als Bestandteil des neuen integrierten Krebszentrums, das auf dem Spitalgelände entstehen soll.

Im selben Gebäude sollen dereinst alle Therapieformen für Krebspatienten angeboten werden. Die Baukosten schätzt man auf 300 Millionen Franken, ein Drittel davon dürfte für die Protonentherapie- Anlage nötig sein.

«Patientenfreundliche Betreuung»

Die Protonentherapie gehöre an ein Universitätsspital, betonten Vertreter der vier Kliniken vor der Presse. Denn nur ein Unispital könne den Krebspatienten die gesamte Behandlungskette anbieten und habe die nötige Erfahrung in der Erhebung und Auswertung der Patienten-Daten.

Das Berner Projekt sei deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur PSI- Anlage in Villigen, sagte der Radio-Onkologe Daniel Aebersold vom Inselspital. Die Weiterentwicklung der Bestrahlungstechnik sei beim PSI als Forschungsinstitut weiterhin am richtigen Ort.

Unterstützung erhalten die vier Unispitäler von sieben kantonalen Radio-Onkologien in St. Gallen, Luzern, Münsterlingen TG, Triemli Zürich, Bellinzona, La Chaux-de-Fonds und Sitten. Sie begrüssen die patientenfreundliche Betreuung und die geplante partnerschaftliche Forschung, wie Raymond Miralbell vom Unispital Genf sagte.

Zwischenentscheid Ende Mai

Die Protonentherapie ist eine von fünf Disziplinen der Spitzenmedizin. Die IVHSM, ein Gremium der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren, wird am 28. Mai einen Zulassungsentscheid treffen.

Ein endgültiger Entscheid sei dabei nicht zu erwarten, vermutet Peter Rychiger, Verwaltungsratspräsident der Inselspital-Stiftung. Vermutlich werde sich das Gremium lediglich für die Fortführung der Protonentherapie am PSI aussprechen. «Wir werden aber unser Unispital-Projekt ebenfalls vorantreiben.»

Galgenen ab 2013

Mehrere andere Projekte für die teure Protonentherapie - sie kostet pro Patient bis zu 40'000 Franken - sind inzwischen nicht mehr aktuell. Weiter im Rennen ist aber eine private Initiative für ein Protonen-Zentrum in Galgenen SZ. Der Betrieb soll Ende 2013 aufgenommen werden, einige Jahre früher als das Berner Zentrum.

«Wir begrüssen das Berner Projekt sehr, es scheint fundiert zu sein», sagte Peter R. Schwegler, Sprecher des Proton Therapy Center Switzerland, auf Anfrage. Eine Konkurrenz sehe er nicht, denn mittelfristig brauche es in der Schweiz zwei bis drei Zentren.

Uni Zürich nicht ausgeschlossen

Die Anbindung eines Protonentherapie-Zentrums an eine Uniklinik mache in der Tat Sinn, sagte Schwegler. «Deshalb sind unsere Türen für eine Kooperation mit dem Unispital Zürich nach wie vor offen. Das wäre der goldene Weg.» Auch die Zürcher Verantwortlichen haben kürzlich durchblicken lassen, dass sie sich diese Lösung nicht ganz verbauen wollen.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch