Schweigen mit Humor

Diese Pressekonferenz von Eveline Widmer-Schlumpf hatte es in sich: Sie sagte, was kaum einer hören wollte, und liess den Pressesprecher verhüllen, was im Raum stand.

Wann wirkte die Finanzministern letztmals so entspannt? Eveline Widmer-Schlumpf gestern an der Medienkonferenz in Bern. (21. Oktober 2015)

Wann wirkte die Finanzministern letztmals so entspannt? Eveline Widmer-Schlumpf gestern an der Medienkonferenz in Bern. (21. Oktober 2015) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rechnet sie noch, oder weiss sie es schon? Auf entsprechende Fragen entgegnete Eveline Widmer-Schlumpf stets, sie mache eine erneute Kandidatur für den Bundesrat vom Wahlausgang abhängig. Seit Sonntag steht dieser fest – und die Medien lechzen nach einer Antwort.

Am Mittwoch hatte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nun ihren ersten Auftritt nach den Wahlen. Schon dessen Setting machte klar: Eine Antwort würde es hier nicht geben. Neben Widmer-Schlumpf nahmen Nationalbank-Präsident Thomas Jordan und Finma-Chef Mark Branson Platz im Medienzentrum, angekündigtes Thema: «Eckwerte für Anpassungen der ‹Too big to fail›-Bestimmungen». Oder einfacher gesagt: strengere Kapitalvorschriften für die Schweizer Grossbanken.

Der Durst wird nicht gestillt

Zum Spiel gehört aber, dass die Journalisten dennoch fragen. Ob ihr politisches Gewicht «too big» sei, um zurückzutreten, wollte ein Journalist wissen. Ob sie am Sonntag angesichts der Wahlresultate nur «slightly going concerned» oder schon «completely concerned» war, ein anderer – unter Anspielung auf den neudeutschen Bankenregulierungssprech.

Auch Bundesratssprecher André Simonazzi liess einen Hauch Humor nicht vermissen: In einem französischen Konditionalsatz, dessen Konstruktion einem Deutschsprachigen einen Masterabschluss in französischer Linguistik abnötigen würde, stellte er fest, dass Fragen, die zu aktuellen, im Zusammenhang mit den Wahlen und der Zukunft stehenden anderen Themen eventuell gestellt werden könnten, nicht beantwortet würden und es deshalb an den Anwesenden liegen werde, ob er dies nochmals wiederholen müsse. Er musste selbstverständlich – und sagte auf Deutsch: «Ihr Durst wird nicht gestillt.»

Dass Widmer-Schlumpf schweigt, mag daran liegen, dass sie sich tatsächlich noch nicht entschieden hat. Der Berner Nationalrat Hans Grunder, der Widmer-Schlumpfs Wiederwahl im Jahr 2011 sicherte, sagte der «Aargauer Zeitung», im Hintergrund liefen noch Gespräche. Eine andere Erklärung wäre, dass sie zuwartet, um die SVP zum Aufstellen gemässigter Kandidaten zu bewegen. Die dritte Möglichkeit: Widmer-Schlumpf wartet schlicht auf eine angemessene Gelegenheit. Die Delegiertenversammlung der BDP am 31. Oktober wird hier oft genannt.

Bis ins Detail dabei

Eines rief die Medienkonferenz aber in Erinnerung: Widmer-Schlumpfs Fachkompetenz ist tatsächlich «big». Die Politikerin erläuterte die komplizierte Finanzmarktvorlage bis in Details, die mit Ausnahme von Jordan und Branson wohl niemand im Raum verstand. Erst nachdem sie schon lange über Fragen referiert hatte, die andere Bundesräte jeweils ihren Amtschefs überlassen, befand sie irgendwann, sie werde nun darauf verzichten, «das System der Rabatte zu erklären – ich glaube, jetzt kommen wir dann irgendwann an den Punkt, wo das nicht mehr so einfach zu erklären ist an einer Pressekonferenz».

Der eine oder andere Parlamentarier wird sich, solange Widmer-Schlumpf nicht ihren Rücktritt bekannt gibt, vielleicht doch noch überlegen, ob sie nicht zu gross ist, um abgewählt zu werden.

Erstellt: 22.10.2015, 12:56 Uhr

Artikel zum Thema

Widmer-Schlumpf verliert Rückhalt

Die Mittestimmen für die Bundesrätin schwinden – sowohl in der CVP als auch in der FDP. Mehr...

Widmer-Schlumpf soll die SVP zappeln lassen

Analyse Ein Rücktritt der Bundesrätin würde vieles entspannen. Und mit dem richtigen Timing hat sie einiges in der Hand. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Wie zahlen sich Investitionen in Analytics und KI aus?

Analytics und künstliche Intelligenz (KI) stehen bei vielen Unternehmen oben auf der Agenda. Das bedeutet aber nicht, dass die Investitionen auch zu einem geschäftlichen Mehrwert führen.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...