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Schweiz unterzeichnet Amtshilfeabkommen der OECD

In bestimmten Fällen soll die Schweiz andere Länder auch spontan über Steuerdelikte informieren. Laut Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sei dies inzwischen zum Standard geworden.

Mit der Konvention würde die Steueramtshilfe der Schweiz gegenüber diversen Staaten OECD-konform: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf beim Efta-Treffen in Luxemburg. (15. Oktober 2013)
Mit der Konvention würde die Steueramtshilfe der Schweiz gegenüber diversen Staaten OECD-konform: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf beim Efta-Treffen in Luxemburg. (15. Oktober 2013)
Keystone

Die Schweiz wird heute Nachmittag die OECD-Konvention unterzeichnen, die gegenseitige Amtshilfe und spontanen Informationsaustausch in Steuersachen vorsieht. Seine Unterschrift unter das Dokument setzt Stefan Flückiger, Schweizer Botschafter bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen bestätigte eine Meldung der französischen Zeitung «Le Figaro». Es handle sich um eine Formalität, sagte ein Sprecher.

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hatte am vergangenen Mittwoch angekündigt, dass der Bundesrat das Abkommen unterzeichnen wolle. Die Konvention sei faktisch zu einem Standard geworden, sagte sie. Über 50 Länder hätten sie unterzeichnet, in vielen Staaten sei sie bereits in Kraft.

Pascal Saint-Amans, Steuerdirektor der OECD, zeigte sich erfreut. Es handle sich um einen bedeutenden Schritt im Kampf gegen Steuerflucht, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er sprach vom «Ende des Bankgeheimnisses» in der Schweiz. Laut Saint-Amans ist die Unterzeichnung für 14 Uhr geplant, am OECD-Sitz in Paris.

Informationen ohne Anfrage

Die OECD-Konvention sieht vielfältige Formen der Zusammenarbeit zwischen den Staaten vor. Dazu gehören der Informationsaustausch auf Anfrage und der spontane Austausch von Informationen, bei welchem Informationen ohne Anfrage geliefert werden. Stossen die Schweizer Steuerbehörden im Rahmen eines Verfahrens auf Hinweise zu Steuerhinterziehung, die ein anderes Land betrifft, müssen sie dies diesem Land künftig melden. Das ist für die Schweiz neu.

Für die Amtshilfe gemäss der Konvention ist eine Rückwirkung von drei Jahren vorgesehen. Mit der Konvention würde die Steueramtshilfe der Schweiz gegenüber diversen Staaten, mit welchen sie kein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, OECD-konform.

Automatischer Informationsaustausch nicht inbegriffen

Nicht Teil des Übereinkommens ist der automatische Informationsaustausch. Zwar ist dieser als Option vorgesehen. Er muss aber zwischen einzelnen Staaten ausdrücklich vereinbart werden.

Klar ist aber, dass die Schweiz sich auf den automatischen Informationsaustausch einstellt. Im Sommer hatte der Bundesrat beschlossen, an der Entwicklung eines Standards für den automatischen Informationsaustausch mitzuwirken. Nach seinem Willen soll die Schweiz den Standard dereinst auch übernehmen – aber erst, wenn dieser auf den wichtigsten Finanzplätzen eingeführt ist.

Widerstand von rechts

Über die Ratifizierung des OECD-/Europarats-Übereinkommens wird das Parlament entscheiden. Das letzte Wort könnte das Stimmvolk haben: Der Beschluss untersteht dem fakultativen Referendum.

Widerstand haben die SVP und die FDP angekündigt. Beide Parteien kritisieren die spontane Amtshilfe, zu welcher sich die Schweiz verpflichten würde. Auch die Rückwirkung stösst in den Reihen der Rechten auf Kritik. Die Linke dagegen begrüsste den weiteren Schritt zur Erweiterung der Amtshilfe.

Verhandlungen über Zinsbesteuerungsabkommen

Der Bundesrat hatte vergangenen Mittwoch auch einen Mandatsentwurf für Verhandlungen mit der EU über eine Revision des Zinsbesteuerungsabkommens verabschiedet. Er reagierte damit auf das Mandat, das der EU-Finanzministerrat im Frühjahr verabschiedet hatte. Die EU will Schlupflöcher schliessen und das bisher auf Zinsen für natürliche Personen beschränkte System der Quellenbesteuerung auf andere Kapitaleinkommen und Konstrukte wie Trusts ausdehnen.

Laut der Finanzministerin wird es bei diesen Verhandlungen mit der EU nicht um den automatischen Informationsaustausch gehen. Im Mandat der EU-Kommission sei dieser nicht erwähnt, sagte Widmer-Schlumpf. Es gehe ausschliesslich um das Zinsbesteuerungsabkommen. EU Kommissar Algirdas Semeta liess allerdings verlauten, der automatische Informationsaustausch sei und bleibe das Ziel der EU in diesen Gesprächen.

SDA/ajk

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