Marty will Drogen legalisieren – überall

Der Tessiner FDP-Ständerat und Europaratsabgeordnete Dick Marty hat sich im Kampf gegen Drogen für eine radikale Massnahme ausgesprochen.

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Das Verbot zu harten Drogen habe «in eine totale Pleite geführt», sagte Marty in einem Interview mit dem österreichischen «Kurier» vom Freitag. Es führe nur zu hohen Preisen und entsprechenden Gewinnen für die Drogenmafia, ohne den Zugang zu Rauschmitteln zu schmälern, sagte Marty der Zeitung. «Man muss der Kriminalität diese Gewinne wegnehmen», erklärte er.

Marty, der international als Ermittler des Europarats zu den geheimen CIA-Gefangenenlager bekannt wurde, beschäftigte sich als Tessiner Staatsanwalt 15 Jahre lang mit dem Kampf gegen Drogen. Sein Umdenken erklärte er damit, dass vor Gericht «immer nur die Kleinen vorgeführt werden», während die Drogenbosse in Luxushotels verkehrten, beste Beziehungen zur Wirtschaft hätten und «kaum gestört» würden. Zugleich sei es noch nie so einfach gewesen, Drogen zu bekommen.

Kontrolle durch Besteuerung

Laut Marty sollte das derzeit für den Kampf gegen den Drogenhandel investierte Geld lieber in die Prävention gesteckt werden. Nach einer Legalisierung könnte der Staat den Drogenbereich durch die Besteuerung kontrollieren, ähnlich wie den Alkohol- und Tabakkonsum.

Zwar würden die Drogenpreise nach einem Ende des Verbots «total verfallen», so Marty. Ob der Konsum dauerhaft steigen würde, bezweifle er aber. Auch bei der Aufhebung des Alkoholverbots in den USA habe man den Mut gehabt, diese Lösung anzuwenden. Der Politiker verwies darauf, dass die Schweiz in den 90er Jahren mit der Verteilung von Heroin an Abhängige die Beschaffungskriminalität gesenkt habe: «Diese Leute konnten wieder arbeiten, sie werden medizinisch begleitet.»

Skepsis für eigene Idee

Marty räumte aber ein, dass eine Drogenfreigabe nur im internationalen Gleichklang möglich sein und er eine weltweite Legalisierung von Drogen «sicher nicht erleben» werde. Das Entstehen von durch Drogenhandel finanzierten «Mafia-Staaten» in Lateinamerika könnte aber eine Beschleunigung des Denkprozesses in diese Richtung bewirken.

So hatte der mexikanische Ex-Präsident Vicente Fox angesichts des Drogenkriegs mit 28'000 Toten in den vergangenen Jahren bereits eine Freigabe des Drogenhandels gefordert, um der organisierten Kriminalität das Wasser abzugraben. (raa/sda)

Erstellt: 12.08.2010, 22:40 Uhr

Hat umgedacht: Dick Marty. (Bild: Keystone )

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