Schweizer Diplomaten paktieren mit dem Teufel

Am Freitag tadelte die UNO erneut mehrfach Israel, während die brutalsten Länder der Welt verschont blieben. Die Schweiz macht bei einem unwürdigen Spiel mit.

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Das Echo war gross, als die SonntagsZeitung vor einigen Wochen über das Abstimmungsverhalten der Schweiz bei der UNO berichtete: Im Gleichschritt mit vielen anderen Staaten stimmt die Schweiz bei der Mehrzahl der gegen Israel gerichteten Resolutionen zu, währenddessen die meisten Unrechtsstaaten der Welt verschont bleiben.

Am Freitag ging das unwürdige Spiel am UNO-Sitz in New York in die nächste Runde: Acht Resolutionen gegen Israel wurden verabschiedet, null gegen den Rest der Welt. Die Schweiz stimmte siebenmal gegen Israel, einmal enthielt sie sich der Stimme.

Stossend ist nicht, dass Israel getadelt wird – bei der Politik dieses Landes ist zweifellos einiges kritikwürdig. Sondern das Missverhältnis. Gemäss UN Watch hat die UNO-Generalversammlung dieses Jahr Israel 21-mal gerügt, alle anderen Länder der Welt zusammen 6-mal. Unrechtsstaaten wie Venezuela, China oder Saudi-­arabien wurden nie belangt.

«Es würde reichen, wenn sich die Schweiz der Stimme enthielte.»

Die Despotenländer sind untereinander solidarisch, sie bilden den stärksten Block in der UNO – und gemeinsam reichen sie jeweils auch die Resolutionen gegen Israel ein.

Niemand verlangt von der kleinen Schweiz, dass sie sich in solchen Fragen als Heldin hervortut. Es würde reichen, wenn sie sich der Stimme enthielte. Umso mehr könnte sie sich auf ihre Stärke konzentrieren: im Hintergrund als neutrale Vermittlerin Gutes tun, wie zuletzt beim Gefangenenaustausch zwischen dem Iran und den USA oder beim Friedensprozess in Moçambique.

Doch die Schweizer Diplomaten wollen lieber ins Scheinwerferlicht. Etwa mit dem angestrebten Sitz im UNO-Sicherheitsrat. Um den zu erreichen, sind sie auf die Gunst der Despotenländer angewiesen. In dieser Hinsicht sind die Schweizer Stimmen gegen Israel nichts anderes als ein Pakt mit dem Teufel.



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Erstellt: 14.12.2019, 23:52 Uhr

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