Schweizer «IS-Zelle» forderte Hilfe für das «Brotbacken»

Syrische Extremisten versprachen ihren inzwischen verhafteten Schweizer Mitgliedern, einen Terroristen zu schicken. Das steht laut einem Bericht unter anderem in der Anklageschrift.

Die Hauptverhandlung beginnt im Februar 2016: Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Die Hauptverhandlung beginnt im Februar 2016: Bundesstrafgericht in Bellinzona.

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69 Seiten umfasst die bisher nicht veröffentlichte Anklageschrift gegen die drei irakischen Mitglieder der Schweizer «IS-Zelle», wie die NZZ berichtet. Sie hatte Einblick in die noch nicht veröffentlichte Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Dadurch werden neue Details um Osamah M., den mutmasslichen Chef der Schweizer «IS-Zelle», bekannt. Die Bundesanwaltschaft (BA) stellt jedoch klar, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) erst nach dessen Verhaftung im März 2014 ausgerufen wurde. Aus diesem Grund sei genau genommen nicht der IS Gegenstand der Ermittlungen, sondern diverse Vorgängerorganisationen, schreibt die NZZ.

Die drei angeklagten Jihadisten Osama M., Mohammed O. und Wesam J. sollen bereits vor ihrer gestaffelten Einreise in die Schweiz aktiv gewesen sein und engen Kontakt gepflegt haben. So soll sich der im Rollstuhl sitzende M. mit O. eine Wohnung in einem Vorort von Damaskus geteilt haben. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass M. Kontakte mit einer nicht namentlich erwähnten Organisation in Damaskus unterhielt. Diese pflegte er auch aus der Schweiz, beispielsweise aus dem Paraplegikerzentrum Nottwil, wo er zeitweise wegen seiner Kriegsverletzung in Therapie war. Ausserdem soll er bei der Einschleusung von IS-Kämpfern in die Schweiz, nach Finnland und nach Kanada massgeblich beteiligt gewesen sein, so die BA.

«Planung eines terroristischen Anschlags»

Ein erster Versuch, IS-Mitglieder auch in die Schweiz zu schleusen, scheiterte Ende 2012. Gut ein Jahr später gelang dann das Unterfangen und Mohammed O. fand den Weg in die Eidgenossenschaft, sein Asylgesuch wurde jedoch abgelehnt. Aus diesem Grund tauchte er vorübergehend bei Osamah M. unter. Die beiden sind nun wegen Planung eines terroristischen Anschlags und Beteiligung respektive Unterstützung einer kriminellen Organisation angeklagt.

Laut der Anklageschrift nahm M. am 20. Februar 2014 via Skype Kontakt mit einem Kommandant der Gruppierung in Damaskus auf und bat ihn um Unterstützung. Bei der Kommunikation wurden meist Codewörter verwendet. Die Organisation versprach, jemanden von der «Firma» zu schicken, der sich mit «Wassermelonen» (Sprengstoffe und Waffen, vermutet die BA) auskenne. M. bat darum, mit dem «Zentrum» verbunden zu werden, weil die Schweiz teuer sei und «Brotbacken» (Sprengsätze anfertigen, vermutet die BA) viele Zutaten erfordere. Die Organisation versprach, ein namentlich genanntes Mitglied zu schicken, das den Anschlag vorbereiten und ausführen sollte. Die Vorgängerorganisation des IS wollte sich im Anschluss zum Anschlag bekennen.

Auf Anregung von Osamah M. soll zudem vereinbart worden sein, dass alle Details zu den gelieferten Materialien und Geräten auf einen elektronischen Datenträger gespeichert werden. Dieser «Flash» sollte dem Komplizen von Osamah M., Wesam J., in der Türkei übergeben werden. Für die mutmassliche Übergabe reiste dieser am 18. März 2014 an den Küstenort Mersin. Zwei Tage später nahm er den selben Weg zurück in die Schweiz. Als er am 21. März in der Wohnung von Osamah M. in Beringen SH eintraf, nahm die Bundesanwaltschaft dort schliesslich Osamah M., Wesam J. und Mohammed O., welcher sich auch in der Wohnung aufhielt, fest. Die Angeklagten bestreiten die erhobenen Vorwürfe der BA und sind seither in Haft – mehrere Entlassungsgesuche wurden abgelehnt. Die Verhandlung am Bundesstrafgericht beginnt am 29. Februar 2016. (cho)

Erstellt: 02.12.2015, 13:10 Uhr

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