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Schweizer Kinos zeigen Erdogan-Heldenepos

In der Schweiz ist ein Spielfilm angelaufen, der den Aufstieg Recep Erdogans thematisiert. Schwächen hat der türkische Präsident darin keine.

Der Film-Erdogan: Der türkische Schauspieler Reha Beyoglu vor «Reis»-Plakaten bei der Premiere in Istanbul. (26. Februar 2017)
Der Film-Erdogan: Der türkische Schauspieler Reha Beyoglu vor «Reis»-Plakaten bei der Premiere in Istanbul. (26. Februar 2017)
Lefteris Pitarakis/AP, Keystone

Der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan erobert die Kinoleinwand – als Heldenfigur in einem Spielfilm. «Reis» heisst der Streifen, «Anführer». Es ist die Geschichte des hilfsbereiten Buben Erdogan, sein Leben, sein Aufstieg. Aus einfachsten Verhältnissen zum allseits geliebten Staatsmann.

Vor einer Woche, am Geburtstag des türkischen Autokraten, feierte der Film Premiere in Istanbul. Seit Donnerstag läuft er laut der «Sonntagszeitung» auch in der Schweiz, im Zürcher Kino Capitol. Die Kitag AG, die grösste Schweizer Kinobetreiberin, verkauft den Film als biographisches Drama. In Wirklichkeit ist «Reis» ein aufwendiges Werk politischer Propaganda. Die Filmemacher betonen zwar ihre Unabhängigkeit. An der Premiere sagte Produzent Ali Avci aber: «Wir sehen im globalen Kino Helden wie Spiderman und Superman, die nie gelebt haben, dabei haben wir doch unseren eigenen, lebenden Helden!»

Blauäugiger Umgang mit Propaganda

So sieht das auch Regisseur Hüdaverdi Yavuz. Als er gefragt wurde, wieso im Film denn gar keine Schwächen von Erdogan gezeigt würden, antwortete er knapp: «Er hat keine Schwächen.» Der Zeitpunkt des Kinostarts ist kein Zufall: Erdogan befindet sich im Wahlkampf für das von ihm angestrebte Präsidialsystem und muss seine Anhänger auf Kurs bringen.

Türken in der Schweiz kritisieren den blauäugigen Umgang der Schweiz mit der Erdogan-Propaganda. Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan findet den Jubel-Film problematisch: «Erdogan wird als grosser Märtyrer inszeniert», sagt die Baslerin gegenüber der «Sonntagszeitung». Besonders erschreckend sei die kriegerische Sprache. Die ganze Erzählung ist laut Arslan darauf ausgerichtet, Gewalt gegen Andersdenkende zu legitimieren.

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